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Wirt­schaft und Ver­wal­tung rufen nach rein natio­na­len Cloud-Angeboten

Nahe­zu jedes Unter­neh­men nutzt mitt­ler­wei­le IT-Ange­bo­te aus der Cloud. Unsi­che­re geo­fi­nanz­po­li­ti­sche Ein­flüs­se und Zwei­fel an Daten­re­gu­la­ri­en bei US-Anbie­tern for­cie­ren nun in Wirt­schaft Bedarf nach hei­mi­schen Cloud-Anbietern.

Laut einer aktu­el­len Erhe­bung des deut­schen Bit­kom-Ver­ban­des ver­wen­den mitt­ler­wei­le nahe­zu alle Betrie­be IT-Ange­bo­te über die Cloud oder pla­nen das in Kür­ze zu tun. Aktu­ell nut­zen 9 von 10 Unter­neh­men Cloud-Anwen­dun­gen, vor einem Jahr betrug der Anteil 81 Pro­zent. Für prak­tisch kein Unter­neh­men ist Cloud kein The­ma, vor einem Jahr war das noch bei 5 Pro­zent der Fall. 

In der Nut­zung liegt die Pri­va­te Cloud mit 74 Pro­zent deut­lich vor Public-Cloud-Ange­bo­ten (59 Pro­zent). Vie­le set­zen dabei auf mehr als eine Cloud. 29 Pro­zent nut­zen eine Hybrid-Cloud, also sowohl pri­va­te als auch öffent­li­che Cloud-Diens­te. Und 41 Pro­zent set­zen auf Mul­ti-Cloud, bezie­hen also Cloud-Diens­te von unter­schied­li­chen Anbietern.

Von 38 auf 58 Pro­zent und von 34 auf 63 Prozent
Ins­ge­samt wer­den in der deut­schen Wirt­schaft rund die Hälf­te (47 Pro­zent) aller IT-Anwen­dun­gen aus der Cloud betrie­ben, 2024 waren es noch 38 Pro­zent. In fünf Jah­ren soll der Anteil bereits bei 58 Pro­zent lie­gen. Zugleich nut­zen heu­te noch 10 Pro­zent der Unter­neh­men weni­ger als 10 Pro­zent ihrer IT-Anwen­dun­gen aus der Cloud, in fünf Jah­ren wird das bei kei­nem Unter­neh­men mehr der Fall sein. Der Anteil der Unter­neh­men, die mehr als die Hälf­te ihrer IT-Anwen­dun­gen aus der Cloud bezie­hen wird sich gleich­zei­tig von 34 Pro­zent auf 63 Pro­zent fast verdoppeln. 

„Die Unter­neh­men ver­la­gern nicht alle IT-Anwen­dun­gen in die Cloud, aber künf­tig wird kein Unter­neh­men mehr ohne Cloud aus­kom­men“, so Ralf Win­ter­gerst, Bit­kom-Prä­si­dent. Sechs von zehn Unter­neh­men füh­len sich aller­dings auch gezwun­gen, Cloud-Diens­te zu nut­zen, weil die benö­tig­te Soft­ware nur noch Cloud-basiert ange­bo­ten wird. Rund die Hälf­te will im lau­fen­den Jahr ver­gli­chen mit dem Vor­jahr mehr inves­tie­ren. Bei 44 Pro­zent sol­len die Inves­ti­tio­nen zuneh­men. 39 Pro­zent rech­nen mit unver­än­der­ten Inves­ti­tio­nen. Bei acht Pro­zent sol­len sie eher abnehmen.

KI-Nut­zung aus der Cloud soll sich verdoppeln
Eine beson­de­re Rol­le kommt der Cloud auch beim The­ma Künst­li­che Intel­li­genz zu. Aktu­ell nutzt jedes vier­te Unter­neh­men KI-Diens­te aus der Cloud – aber für fast dop­pelt so vie­le (51 Pro­zent) wird KI aus der Cloud in fünf Jah­ren inter­es­sant sein. „Wer leis­tungs­star­ke KI nut­zen will, kommt an der Cloud kaum vor­bei“, so Win­ter­gerst. Eben­falls stark zuneh­men soll die Cloud-Nut­zung von CRM, Web­con­fe­ren­cing, Soft­ware­ent­wick­lung, Sicher­heits­soft­ware sowie Datenbanken.

Am häu­figs­ten wer­den der­zeit Lösun­gen für Per­so­nal, Buch­hal­tung und Finanz­pla­nung sowie klas­si­sche Office-Soft­ware in der Cloud betrie­ben. Dahin­ter fol­gen E‑Mail und Spei­cher­platz für Datei­en. 62 Pro­zent nut­zen die Cloud als Zugang zu Rechen­leis­tung für unter­schied­li­che Anwen­dun­gen. Ver­gli­chen mit der heu­ti­gen Nut­zung rück­läu­fig ist das Inter­es­se an IoT-Diens­ten, Kol­la­bo­ra­ti­on sowie an ERP-Lösun­gen aus der Cloud.

Cloud treibt die Digi­ta­li­sie­rung und schafft Zugang zu KI, IoT & Co
Grund­sätz­lich wird die Cloud meist genutzt, um inter­ne Pro­zes­se zu digi­ta­li­sie­ren. Dar­um geht es 68 Pro­zent aller Unter­neh­men, die bereits Cloud-Diens­te nut­zen oder dies pla­nen. Hier zeigt sich auch der stärks­te Anstieg ver­gli­chen mit 2023, als der Anteil erst bei 45 Pro­zent lag. Eben­falls deut­lich zuge­legt hat die Cloud als Zugang zu inno­va­ti­ven Tech­no­lo­gien wie Inter­net of Things (IoT) oder Künst­li­cher Intel­li­genz – von 37 Pro­zent im Jahr 2023 auf nun 50 Pro­zent. „Cloud-Com­pu­ting ist der Digi­ta­li­sie­rungs-Trei­ber Num­mer eins“, sagt Wintergerst.

Wei­ter­hin geht es bei der Cloud-Nut­zung um die Erhö­hung der IT-Sicher­heit (60 Pro­zent), die Umstel­lung auf Platt­for­men und Soft­ware-as-a-Ser­vice (56 Pro­zent), die Redu­zie­rung von Kos­ten (55 Pro­zent), die Koope­ra­ti­on mit Drit­ten (53 Pro­zent), die Redu­zie­rung von CO2-Emis­sio­nen (50 Pro­zent) sowie die Ent­wick­lung inno­va­ti­ver Pro­duk­te oder Diens­te (43 Pro­zent). 36 Pro­zent nut­zen die Cloud, um Eng­päs­se bei der Anschaf­fung eige­ner Gerä­te zu vermeiden.

Mehr­heit der Unter­neh­men rückt Cloud in den Mit­tel­punkt der IT-Strategie
Erst­mals steht bei der Hälf­te der Cloud-Nut­zer die Cloud im Mit­tel­punkt ihrer IT-Stra­te­gie. So ver­fol­gen 19 Pro­zent einen „Cloud-only“-Ansatz, bei dem Cloud Com­pu­ting für aus­nahms­los alle Anwen­dun­gen und Sys­te­me genutzt wird und bestehen­de Lösun­gen in die Cloud über­führt wer­den. Wei­te­re 31 Pro­zent set­zen auf „Cloud first“, ver­wen­den also bevor­zugt Cloud-Lösun­gen bei neu­en Pro­jek­ten und zie­hen bestehen­de Anwen­dun­gen bei Bedarf in die Cloud um. 31 Pro­zent ergän­zen bestehen­de IT-Lösun­gen um Cloud-Anwen­dun­gen. Vier Pro­zent haben sich dar­über noch kei­ne Gedan­ken gemacht.

Dabei fühlt sich die Hälf­te der Cloud-Nut­zer den Anbie­tern aus­ge­lie­fert, etwa bei Prei­sen. 34 Pro­zent rech­nen eher mit stei­gen­den Kos­ten, 17 Pro­zent sogar mit stark stei­gen­den Kos­ten. Nur acht Pro­zent erwar­ten sin­ken­de Aus­ga­ben. „Aktu­ell fällt es Kun­den auf­grund des hohen Auf­wands und der hohen Kos­ten bei einer Migra­ti­on schwer, einen ein­mal gewähl­ten Cloud-Anbie­ter wie­der zu ver­las­sen. Sol­che Lock-In-Effek­te so gering wie mög­lich zu hal­ten, soll­te auch Teil der eige­nen Cloud-Stra­te­gie sein“, so Wintergerst.

Bei Wahl des Cloud-Anbie­ters geht es pri­mär um Sicher­heit und die Standortfrage
Die ein­fa­che Wech­sel­mög­lich­keit des Cloud-Anbie­ters ist aktu­ell nur für 41 Pro­zent der Unter­neh­men ein zwin­gen­des Kri­te­ri­um bei der Aus­wahl. Ganz oben ran­gie­ren hin­ge­gen Ver­trau­en in IT-Sicher­heit, Daten­schutz und Com­pli­ance sowie Leis­tungs­fä­hig­keit und Sta­bi­li­tät sowie die Mög­lich­keit zur Daten­ver­schlüs­se­lung. Mit Abstand fol­gen dann Inter­ope­ra­bi­li­tät, Nachhaltigkeitsthemen.

Ein ent­schei­den­des Kri­te­ri­um ist dann das Her­kunfts­land des Anbie­ters und der Stand­ort des Rechen­zen­trums in Deutsch­land oder der EU. Für mitt­ler­wei­le rund 70 (!) Pro­zent der Betrie­be ist das eine ganz zen­tra­le Fra­ge. Die Inno­va­ti­ons­stär­ke einer Cloud ist dann für 55 Pro­zent ent­schei­dend, 45 Pro­zent legen Wert auf nied­ri­ge Kos­ten und 39 Pro­zent auf welt­wei­te Ver­füg­bar­keit. „Sicher­heit ist das Top-The­ma bei der Cloud-Aus­wahl“, betont Win­ter­gerst vom Digi­tal-Ver­band Bit­kom. Und das adres­siert auch die Punk­te Daten­schutz und Standort. 

Das sind alle­samt Ergeb­nis­se des neu­en „Cloud Report 2025“ vom Digi­tal­ver­band Bit­kom, für den 604 Unter­neh­men ab 20 Beschäf­tig­ten in Deutsch­land reprä­sen­ta­tiv befragt wurden. 

red/czaak
16.06.2025

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