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Viel­schich­ti­ger Reform­be­darf beim Budget

Exper­ten des Fis­kal­rats sehen hohen Reform­be­darf im Bun­des­haus­halt. Neue Bun­des­re­gie­rung soll rasch aktiv wer­den, um Bud­get­zie­le zu errei­chen und so auch EU-Vor­ga­ben bei Ver­hält­nis Bud­get­de­fi­zit ver­sus Brut­to­in­lands­pro­dukt zu erfüllen.

Die der­zeit ange­spann­te Bud­get­si­tua­ti­on und die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft machen es not­wen­dig, Refor­men im öffentlichen Sek­tor umzu­set­zen. Chris­toph Badelt vom Fis­kal­rat, Karo­li­ne Mit­te­rer (KDZ) und Mar­git Schrat­zen­stal­ler (WIFO) haben dies zum Anlass genom­men, gemein­sa­me Emp­feh­lun­gen für Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen im Bun­des­staat zu geben. Die­se wür­den es auch ermöglichen, fle­xi­bel auf die stark verändertem Rah­men­be­din­gun­gen zu reagieren. 

Deut­li­ches Ver­feh­len der EU- Fiskalregeln
Der­zei­ti­ge Pro­gno­sen wei­sen auf ein deut­li­ches Ver­feh­len der durch die EU- Fis­kal­re­geln vor­ge­ge­be­nen Rückführung der Staats­ver­schul­dung hin. Die in den letz­ten Kri­sen­jah­ren umge­setz­ten Ent­las­tun­gen der Bevölkerung bedeu­ten gleich­zei­tig weni­ger dyna­mi­sche Steu­er­ein­nah­men für den Staat und hohe Aus­ga­ben für Unterstützungsmaßnahmen. 

Da die staat­li­chen Aus­ga­ben außer­dem u. a. infla­ti­ons­be­dingt wei­ter gestie­gen sind, zeigt sich eine Finanzierungslücke und die­se Lücke schließt sich nicht auto­ma­tisch, so der Fis­kal­rat in einer Aus­sendung. Dazu kommt die schwa­che Kon­junk­tur, zusätzliche Anfor­de­run­gen etwa durch die grüne und digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on oder die Alte­rung der Bevölkerung und all das ver­deut­licht zusätz­lich die drin­gen­de Not­wen­dig­keit, Refor­men im bestehen­den Sys­tem vorzunehmen. 

Grundsätzliche Struk­tur­pro­ble­me lösen
Unter­schied­li­che Kom­pe­ten­zen und Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tun­gen erschwe­ren oft­mals grundsätzliche Struk­tur­re­for­men. Die­se sind ins­be­son­de­re in den demografieabhängigen Aus­ga­ben­be­rei­chen Pfle­ge, Gesund­heit und Pen­sio­nen not­wen­dig. Zen­tral ist hier­bei eine Wei­ter­ent­wick­lung der soge­nann­ten Multi-Level-Governance. 

Es bedarf dabei einer ver­bes­ser­ten Koor­di­na­ti­on und Koope­ra­ti­on zwi­schen den drei Ebe­nen Bund, Ländern und Gemein­den – teil­wei­se noch ergänzt um die Sozialversicherungsträger. Dies betrifft auch den Bereich des Förderwesens, wo durch mehr Trans­pa­renz und Treff­si­cher­heit eine Erhöhung der Effi­zi­enz und Effektivität möglich ist, so der Tenor der Expert:innen.

Effi­zi­enz des Fiskalföderalismus erhöhen
Eben­so ein The­ma ist der seit vie­len Jahr­zehn­ten bestehen­de Reform­stau im Finanz­aus­gleich und das führt zu kom­ple­xen, teils widersprüchlichen und inef­fi­zi­en­ten Struk­tu­ren im Fiskalföderalismus. Treff­si­cher­heit statt Gieß­kan­ne sowie Nach­voll­zieh­bar­keit statt Intrans­pa­renz soll­ten die Ziel­rich­tung vor­ge­ben, so eine wei­te­re Empfehlung. 

Ein wich­ti­ger Schritt ist die Stärkung der Auf­ga­ben­ori­en­tie­rung. Die der­zeit star­ren Schlüssel der Ver­tei­lung zwi­schen den Ebe­nen sowie auch zwi­schen den Ländern bzw. Gemein­den wären zu eva­lu­ie­ren und an die Auf­ga­ben­er­for­der­nis­se anzu­pas­sen. Dies ermöglicht gleich­zei­tig eine Ent­flech­tung der als intrans­pa­rent und inef­fi­zi­ent einzuschätzenden Trans­fer­be­zie­hun­gen. Auch die Stärkung der Abga­ben­au­to­no­mie der Länder und Gemein­den wäre zu forcieren. 

Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen absichern
In den nächsten Jah­ren kommt ein hoher Inves­ti­ti­ons­be­darf auf Österreich zu. Allen vor­an sind der Kli­ma­schutz, die Kli­ma­wan­del­an­pas­sung und der digi­ta­le Wan­del, aber auch Inves­ti­tio­nen in den Aus­bau der Kin­der­be­treu­ung zu nen­nen. Damit dies gelin­gen kann, müssen die Finanzierungsspielräume erwei­tert wer­den. Dies umfasst etwa ein effi­zi­en­tes Fördersystem, aber auch Verwaltungsreformen. 

Im Kli­ma­be­reich braucht es den Auf­bau einer Kli­ma­go­ver­nan­ce, um die Koor­di­na­ti­on zwi­schen Bund, Ländern und Gemein­den abzu­si­chern. Dadurch ist ein Abbau klimaschädlicher Förderungen – unter Bedacht­nah­me auf ande­re Ziel­di­men­sio­nen wie z. B. Sozia­les – sowie eine gute Abstim­mung der grünen Förderungen möglich. Eben­falls not­wen­dig ist ein Mecha­nis­mus zur Ver­tei­lung und Finan­zie­rung von Klimainvestitionen. 

Reform der Finan­zie­rung der kom­mu­na­len Daseinsvorsorge
Aktu­el­le Pro­gno­sen zei­gen wei­ters, dass die Finan­zier­bar­keit der kom­mu­na­len Daseins­vor­so­ge mit­tel­fris­tig nicht mehr abge­si­chert ist. Stei­gen­de Auf­ga­ben der Gemein­den einer­seits und gerin­ge­re Mit­tel aus dem Finanz­aus­gleich ande­rer­seits führen zu einer Finanzierungslücke, wel­che die Gemein­den aus eige­ner Kraft nicht mehr schlie­ßen können. Es braucht hier grundsätzliche Refor­men anstatt einer Anein­an­der­rei­hung von kurz­fris­ti­gen Hilfs­pa­ke­ten, wie es der­zeit der Fall ist, unter­strei­chen die Expert:innen.

Einer­seits wer­den Die Gemein­den wer­den heir aber auch einen Kon­so­li­die­rungs­bei­trag leis­ten müssen und umge­kehrt braucht es nach­hal­ti­ge Refor­men zur Stärkung der Gemein­de­fi­nan­zen, etwa durch die Umset­zung einer Grund­steu­er­re­form und eine Trans­fer­ent­flech­tung. „Durch eine stärkere Förderung von Gemein­de­ko­ope­ra­tio­nen sowie die Umset­zung eines auf­ga­ben­ori­en­tier­ten Finanz­aus­gleichs können hier wei­te­re Effi­zi­enz­po­ten­tia­le geho­ben wer­den“, erläu­tert Chris­toph Badelt vom Fis­kal­rat. Ein umfas­sen­der Ein­blick zur aktu­el­len Reform­si­tua­ti­on bei den The­men Bud­get und Finanz­aus­gleich kann dem kürzlich erschie­ne­nem Hand­buch zum FAG 2024 ent­nom­men werden. 

red/czaak
11.10.2024

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