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© Pexels.com/Mikhail Nilov

Spar­sam und dafür aber pünktlich

Pri­va­te geben weni­ger Geld aus, zah­len aber schnell. Zah­lungs­ver­hal­ten der Fir­men auf gutem Niveau. Geschäfts­la­ge und Umsät­ze sta­gnie­ren. Anzahl jun­ger Schuld­ner steigt, so aktu­el­le Ana­ly­se des KSV1870.

Nur jede sechs­te Rech­nung wird in Öster­reich zu spät bezahlt. Die­ser auch inter­na­tio­nal gute Wert zeigt, dass sich die Zah­lungs­mo­ral trotz mul­ti­pler Kri­sen­her­de zuletzt nicht ver­schlech­tert hat. 65 Pro­zent der vom Kre­dit­schutz­ver­band befrag­ten Unter­neh­men spre­chen von einem unver­än­dert guten Zah­lungs­ver­hal­ten. Die Pri­va­ten zah­len im Schnitt nach 13 Tagen, die Gemein­den nach 24 Tagen und die Fir­men nach 25 Tagen. 

Kon­sum­aus­ga­ben der Pri­vat­haus­hal­te sind wei­ter gesunken
Ob das ins­ge­samt gute Niveau gehal­ten wer­den kann, ist jedoch frag­lich, denn ein Drit­tel der Befrag­ten befürch­tet im nächs­ten Jahr eine Ver­schlech­te­rung, die auf die Geschäfts­la­ge durch­schla­gen könn­te. Aktu­ell bewer­ten gera­de ein­mal 48 Pro­zent der Betrie­be ihre Situa­ti­on mit „sehr gut“ oder „gut“. Das ist der nied­rigs­te Wert seit März 2021, wie aus der aktu­el­len Aus­tri­an-Busi­ness-Check-Umfra­ge des KSV1870 her­vor­geht. Hin­zu kommt, dass die Kon­sum­aus­ga­ben der Pri­vat­haus­hal­te in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten wei­ter gesun­ken sind. 

Die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on ist wei­ter­hin ange­spannt und eine finan­zi­el­le Ent­span­nung ist bei Unter­neh­men wie auch Pri­vat­haus­hal­ten trotz rück­läu­fi­ger Infla­ti­ons­ra­te nicht in Sicht. Laut aktu­el­ler KSV1870 Umfra­ge bewer­ten nur noch 48 Pro­zent der in Öster­reich täti­gen Unter­neh­men ihre eige­ne Geschäfts­la­ge mit „sehr gut“ oder „gut“. 27 Pro­zent (2023 : 31 %) spre­chen von rück­läu­fi­gen Umsät­zen und wei­te­re 41 Pro­zent (2023 : 34 %) von einer maxi­mal gleich­blei­ben­den Ent­wick­lung. Nur 32 (2023 : 35 %) Pro­zent erkann­ten in den ver­gan­ge­nen Mona­ten einen Umsatzanstieg. 

Ergeb­nis­se zeich­nen ein düs­te­res Bild
„Die Ergeb­nis­se zeich­nen ein düs­te­res Bild mit trü­ben Aus­sich­ten. Es braucht drin­gend Rah­men­be­din­gun­gen, die es sowohl Unter­neh­men wie auch Pri­va­ten ermög­li­chen, mehr Geld in die Wirt­schaft zu inves­tie­ren“, appel­liert Ricar­do-José Vybi­ral, CEO der KSV1870 Hol­ding AG an die neue Bund­e­re­gie­rung. Vom ein­ge­schränk­ten Kon­sum­ver­hal­ten beson­ders betrof­fen sind die Bau­wirt­schaft und der Handel. 

„Der pri­va­te Kon­sum ist essen­zi­ell für eine flo­rie­ren­de Wirt­schaft. Dazu müs­sen die Pri­va­ten aber wirt­schaft­lich ent­las­tet wer­den. Der Spar­kurs schützt vor Ver­schul­dung, aber eine Kon­junk­tur ist damit nicht zu machen“, so Vybiral. 

Bei Zah­lungs­dau­er Pri­va­te wei­ter top, Fir­men kon­stant, öffent­li­che Hand verbessert
Ins­ge­samt zeigt sich eine posi­ti­ve Ten­denz in Sachen frist­ge­rech­ter Bezah­lung. Wäh­rend Pri­vat- und Fir­men­kun­den de fac­to auf Vor­jah­res­ni­veau agie­ren, hat die Öffent­li­che Hand einen Schritt vor­wärts gemacht. Die Pri­va­ten konn­ten ihr ohne­hin sehr gutes Ergeb­nis von 13 Tagen hal­ten, die Fir­men­kun­den ver­zeich­nen eine leich­te Ver­bes­se­rung auf 25 Tage. Der Bund benö­tigt im Schnitt 35 Tage und damit um einen Tag län­ger als im Vor­jahr. Par­al­lel dazu ver­bes­sern sich die Län­der (31 Tage) um zwei Tage und die Gemein­den (24 Tage) um einen Tag. 

Auf Bun­des­län­der­ebe­ne agiert Kärn­ten bei den Pri­vat­kun­den (9 Tage) eben­so wie bei den Fir­men­kun­den (22 Tage) am schnells­ten. Im Ver­gleich dazu benö­ti­gen die Pri­vat­kun­den in Tirol (17 Tage) am längs­ten, bei den Fir­men­kun­den sind es jene im Bur­gen­land (30 Tage). Mit Blick auf die öffent­li­che Hand liegt auf Län­der­ebe­ne Tirol (24 Tage) in Füh­rung, das Schluss­licht bil­det das Bur­gen­land mit 52 Tagen. Die­ser schlech­te Wert dürf­te auch dem deut­lich längs­ten Zah­lungs­ziel (40 Tage) geschul­det sein.

Alar­mie­ren­de Stei­ge­rung bei jun­gen Schuldner:innen
Par­al­lel zur Umfra­ge hat der KSV1870 auch Typo­lo­gien im Inkas­so näher beleuch­tet. Dabei zeigt sich, dass 51 Pro­zent Män­ner, 33 Pro­zent Frau­en und in 16 Pro­zent der Fäl­le eine juris­ti­sche Per­son betrof­fen sind. Nach Alters­grup­pen geclus­tert, betref­fen 24 Pro­zent der Inkas­so­fäl­le die 21- bis 30-Jäh­ri­gen, 26 Pro­zent die 31- bis 40-Jäh­ri­gen, 20 Pro­zent die 41- bis 50-Jäh­ri­gen und 15 Pro­zent die 51- bis 60-Jährigen. 

Wei­ters ent­fal­len 12 Pro­zent auf die Grup­pe der Über-60-Jäh­ri­gen. Wenn auch auf nied­ri­gem Niveau, ist es alar­mie­rend, dass Inkas­so­schuld­ner bis 20 Jah­re bereits drei Pro­zent aller Fäl­le aus­ma­chen und immer häu­fi­ger auf­tre­ten – obwohl sie erst ab 18 Jah­ren voll­um­fäng­lich geschäfts­fä­hig sind. Zudem lie­gen 49 Pro­zent der Fäl­le im Bereich „bis 200 Euro“, was die For­de­rungs­hö­he betrifft. Wei­te­re 45 Pro­zent befin­den sich zwi­schen 201 Euro und 3.000 Euro. Fäl­le mit einer For­de­rungs­hö­he von über 3.000 Euro machen sechs Pro­zent aus und sind eher selten.

red/czaak
22.10.2024

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