Zum Inhalt
© Pexels.com/googledeepmind

Ein Mil­li­ards­tel einer Milliardstelsekunde

Die Ent­ste­hung von Quan­ten­ver­schrän­kung gehört zu den schnells­ten Pro­zes­sen der Natur. Die TU Wien forscht zu die­sem The­ma und zeigt mit spe­zi­el­len Tricks neue Unter­su­chungs­for­men auf der Attosekunden-Skala. 

Die Quan­ten­theo­rie beschreibt Ereig­nis­se, die in extrem kur­zer Zeit ablau­fen. Frü­her wur­den sol­che Ereig­nis­se als „instantan“ oder „augen­blick­lich“ betrach­tet. Ein Elek­tron kreist dabei um den Atom­kern – und im nächs­ten Augen­blick wird es plötz­lich von einem Licht­blitz her­aus­ge­ris­sen. Oder : zwei Teil­chen sto­ßen zusam­men – und im nächs­ten Augen­blick sind sie plötz­lich „quan­ten­ver­schränkt“.

Heu­te gibt es Metho­den, mit denen der zeit­li­che Ablauf sol­cher „augen­blick­li­cher“ Effek­te unter­sucht wer­den kann. Die TU Wien ent­wi­ckel­te gemein­sam mit For­schungs­teams aus Chi­na Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen, wo ultra­schnel­le Pro­zes­se nach­ge­bil­det wer­den kön­nen. Damit lässt sich auf einer Zeit­ska­la von Atto­se­kun­den unter­su­chen, wie Quan­ten­ver­schrän­kung über­haupt ent­steht. Die Ergeb­nis­se wur­den nun im Fach­jour­nal „Phy­si­cal Review Let­ters“ publiziert. 

Zwei Teil­chen und EIN Quantenobjekt 
Wenn zwei Teil­chen quan­ten­ver­schränkt sind, ergibt es kei­nen Sinn, sie getrennt von­ein­an­der zu beschrei­ben. Auch wenn der Zustand die­ses Zwei-Teil­chen-Sys­tem genau bekannt ist, über den Zustand eines ein­zel­nen Teil­chens kann kei­ne ein­deu­ti­ge Aus­sa­ge getrof­fen wer­den. „Die Teil­chen haben kei­ne indi­vi­du­el­len Eigen­schaf­ten, sie haben nur gemein­sa­me Eigen­schaf­ten. Sie gehö­ren mathe­ma­tisch gese­hen fest zusam­men, auch wenn sie sich an zwei völ­lig unter­schied­li­chen Orten befin­den“, erklärt Joa­chim Burg­dör­fer vom Insti­tut für Theo­re­ti­sche Phy­sik der TU Wien. 

Wird mit ver­schränk­ten Quan­ten­teil­chen expe­ri­men­tiert, dann soll die­se Quan­ten­ver­schrän­kung mög­lichst lan­ge auf­recht­erhal­ten wer­den– etwa für die Nut­zung von Quan­ten­ver­schrän­kung für Quan­ten­kryp­to­gra­phie oder Quan­ten­com­pu­ting. „Uns inter­es­siert, wie sich die­se Ver­schrän­kung anfangs über­haupt ent­wi­ckelt, und wel­che phy­si­ka­li­schen Effek­te dabei auf extrem kur­zen Zeit­ska­len eine Rol­le spie­len“, sagt Iva Bře­zi­no­vá, eine der Autorin­nen der aktu­el­len Publikation. 

Ein Elek­tron fliegt fort, eines bleibt beim Atom 
Dafür wer­den Ato­me betrach­tet, die von einem extrem inten­si­ven und hoch­fre­quen­ten Laser-Blitz getrof­fen wer­den. Ein Elek­tron wird aus dem Atom her­aus­ge­ris­sen und fliegt davon. Wenn die Strah­lung stark genug ist, kann es pas­sie­ren, dass auch noch ein zwei­tes Elek­tron des Atoms beein­flußt wird : Es kann in einen Zustand mit höhe­rer Ener­gie ver­setzt wer­den und den Atom­kern danach auf einer ande­ren Bahn umkreisen. 

Danach gibt es also ein davon­flie­gen­des Elek­tron und eines, das mit unbe­kann­ter Ener­gie beim Atom ver­bleibt. „Die­se bei­den Elek­tro­nen sind nun quan­ten­ver­schränkt“, sagt Joa­chim Burg­dör­fer. „Man kann sie nur gemein­sam ver­ste­hen – und man kann an einem der Elek­tro­nen eine Mes­sung durch­füh­ren und dabei etwas über das ande­re Elek­tron erfahren.“ 

Das Elek­tron weiß selbst nicht, wann es „gebo­ren“ wurde 
Durch ein geeig­ne­tes Mess­pro­to­koll, das zwei ver­schie­de­ne Laser­strah­len mit­ein­an­der kom­bi­niert, kann erreicht wer­den, dass der „Geburts­zeit­punkt“ des davon­flie­gen­den Elek­trons, also der Augen­blick, an dem es das Atom ver­lässt, mit dem Zustand des zurück­blei­ben­den Elek­trons zusam­men­hängt. Die­se bei­den Eigen­schaf­ten sind quan­ten­ver­schränkt. „Das davon­flie­gen­de Elek­tron weiß sozu­sa­gen selbst nicht, zu wel­chem Zeit­punkt es das Atom ver­las­sen hat. Es befin­det sich in einer quan­ten­phy­si­ka­li­schen Kom­bi­na­ti­on unter­schied­li­cher Zustän­de und es hat das Atom sowohl zu einem frü­he­ren als auch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt ver­las­sen“, erklärt Joa­chim Burgdörfer. 

Wel­cher Zeit­punkt es nun „wirk­lich“ war, lässt sich nicht beant­wor­ten. Die „tat­säch­li­che“ Ant­wort auf die­se Fra­ge exis­tiert in der Quan­ten­phy­sik ein­fach nicht. Aber die Ant­wort ist quan­ten­phy­si­ka­lisch mit dem – eben­falls unbe­stimm­ten – Zustand des beim Atom ver­blie­be­nen Elek­trons ver­bun­den. Befin­det sich das ver­blie­be­ne Elek­tron in einem Zustand höhe­rer Ener­gie, dann wur­de das davon­flie­gen­de Elek­tron eher zu einem frü­hen Zeit­punkt her­aus­ge­ris­sen. Befin­det es sich in einem Zustand nied­ri­ge­rer Ener­gie, dann war der „Geburts­zeit­punkt“ des davon­flie­gen­den frei­en Elek­trons eher später. 

Die Zeit­struk­tur des Augenblicklichen
Ein durch­schnitt­li­cher Wert beträgt hier­für 232 Atto­se­kun­den. Das ist ein kaum vor­stell­bar kur­zer Zeit­raum. Eine Atto­se­kun­de ist ein Mil­li­ards­tel einer Mil­li­ards­tel­se­kun­de. „Die­se Unter­schie­de las­sen sich aber nicht nur berech­nen, son­dern auch im Expe­ri­ment mes­sen. Wir sind bereits in Gespräch mit For­schungs­teams, die sol­che ultra­schnel­le Ver­schrän­kun­gen nach­wei­sen wol­len“, so Burg­dör­fer von der TU Wien. 

Die Arbeit zeigt : wich­ti­ge Zusam­men­hän­ge wer­den erst dann sicht­bar, wenn ultra­kur­ze Zeit­ska­len die­se Effek­te auf­zu­lö­sen. „Das Elek­tron springt nicht ein­fach aus dem Atom her­aus. Es ist eine Wel­le, die gewis­ser­ma­ßen aus dem Atom her­aus­schwappt und das dau­ert eine gewis­se Zeit“, sagt Iva Bře­zi­no­vá. „Genau wäh­rend die­ser Pha­se ent­steht die Ver­schrän­kung, deren Aus­wir­kung dann spä­ter durch Beob­ach­tung an den bei­den Elek­tro­nen genau ver­mes­sen wer­den kann“, unter­streicht die Exper­tin der TU Wien.

red/cc
28.10.2024

Weitere aktuelle Artikel

Ing­ram Micro Öster­reich und Stor­Ma­gic star­ten Part­ner­schaft mit Fokus auf Daten­ma­nage­ment und Vir­tua­li­sie­rung. Adres­siert sind KMU und pri­mär Soft­ware­lö­sun­gen für Edge-Com­pu­ting und Soft­ware Defi­ned Storage.  Der IT-Dienst­leis­ter Stor­ma­gic bie­tet pri­mär Kom­plett­lö­sun­gen für hyper­kon­ver­gen­te Infra­struk­tu­ren (HCI), die spe­zi­ell für den Ein­satz in res­sour­cen­op­ti­mier­ten IT-Umge­bun­gen ent­wi­ckelt wur­den. Durch die neue Part­ner­schaft mit Ing­ram Micro, einem füh­ren­den Dis­tri­bu­tor von IT und […]
Sie­mens und NVI­DIA erwei­tern Part­ner­schaft, um KI-Anwen­dun­gen schnel­ler in Indus­trie zu eta­blie­ren. Neue KI-Infra­struk­tur mit schnel­le­rem Com­pu­ting soll pri­mär indus­tri­el­le Fer­ti­gung unterstützen. Sie­mens und der US-Tech­kon­zern NVI­DIA haben aktu­ell die Erwei­te­rung ihrer Part­ner­schaft bekannt gege­ben. Ziel ist es, schnel­ler den nächs­ten Ent­wick­lungs­schritt bei indus­tri­el­ler KI und Digi­ta­li­sie­rung zu errei­chen und die Fabrik der Zukunft Rea­li­tät wer­den […]
Nach US-Cloud-Anbie­ter Ama­zon Web­ser­vices bekräf­tigt nun auch Micro­soft die kürz­lich avi­sier­te Schaf­fung von neu­en natio­nal-euro­pa­spe­zi­fi­schen Cloud-Angeboten.  Die aktu­el­len Dis­kus­sio­nen und Unsi­cher­hei­ten rund um die The­men Daten­schutz und Daten­sou­ve­rä­ni­tät bei den gro­ßen US-Clou­dan­bie­tern Ama­zon Web Ser­vices (AWS), Micro­soft, Apple, Goog­le, Sales­force & Co. gewin­nen wei­ter an Dyna­mik und par­al­lel ver­su­chen die US-Techrie­sen gegenzusteuern. Schutz der Daten von […]
Nahe­zu jedes Unter­neh­men nutzt mitt­ler­wei­le IT-Ange­bo­te aus der Cloud. Unsi­che­re geo­fi­nanz­po­li­ti­sche Ein­flüs­se und Zwei­fel an Daten­re­gu­la­ri­en bei US-Anbie­tern for­cie­ren nun in Wirt­schaft Bedarf nach hei­mi­schen Cloud-Anbietern. Laut einer aktu­el­len Erhe­bung des deut­schen Bit­kom-Ver­ban­des ver­wen­den mitt­ler­wei­le nahe­zu alle Betrie­be IT-Ange­bo­te über die Cloud oder pla­nen das in Kür­ze zu tun. Aktu­ell nut­zen 9 von 10 Unter­neh­men Cloud-Anwen­dun­gen, […]
Immer mehr Bei­spie­le aus der betrieb­li­chen Pra­xis bele­gen das gro­ße öko­no­mi­sche Poten­ti­al von Auto­ma­ti­sie­rung. Ein aktu­el­les Pro­jekt von T‑Systems betrifft etwa die Dienst­leis­tungs­bran­che und Energieanbieter. Digi­ta­li­sie­rung ist zum unver­zicht­ba­ren Bestand­teil für neue unter­neh­me­ri­sche Wert­schöp­fung gewor­den. Bei den Anwen­dun­gen ist neben bedarfs­ge­nau ska­lier­ba­ren Mana­ged Ser­vices über cloud­ba­sier­te Platt­for­men immer öfter auch Auto­ma­ti­sie­rung gefragt, ein bis dato […]
magnifier linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram