Zum Inhalt
© Pexels.com/olly

Die Fra­ge der Schuld

Häu­figs­ter Grund für Pri­vat­kon­kurs war Über­schät­zung der eige­nen finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten und schlech­tes Kon­sum­ver­hal­ten, so der KSV 1870 in sei­ner Ana­ly­se für 2024. Gene­rell belas­tet die Öster­rei­cher das wei­ter­hin hohe Kostenniveau.

Bei über einem Drit­tel der Pri­vat­kon­kur­se ist „per­sön­li­ches Ver­schul­den“ und hier vor allem die Über­schät­zung der eige­nen Leis­tungs­kraft und ein schlech­tes Kon­sum­ver­hal­ten die häu­figs­te Ursa­che. Die ehe­ma­li­ge Selb­stän­dig­keit führt wei­ter­hin bei rund einem Vier­tel in die Sackgasse. 

Laut wei­te­ren Erhe­bun­gen des Kre­dit­schutz­ver­ban­des von 1870 (KSV) für 2024 sind die finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se nur bei weni­ger als einem Pro­zent der Fäl­le die Haupt­ur­sa­che. Damit rückt nun für den KSV die Bedeu­tung von Finanz­bil­dung zuneh­mend in den Fokus und zudem wird die Rück­kehr zur 5‑jährigen Ent­schul­dungs­dau­er für Pri­vat­per­so­nen gefordert. 

Die nach wie vor hohen Kos­ten belas­ten die Österreicher
Die wirt­schaft­li­che Lage der öster­rei­chi­schen Pri­vat­haus­hal­te hat sich auch im Vor­jahr nicht ent­spannt. Das anhal­tend hohe Kos­ten­ni­veau in Kom­bi­na­ti­on mit einer nach wie vor erhöh­ten Infla­ti­ons­ra­te von fast drei Pro­zent belas­tet die Öster­rei­cher unver­än­dert. Die gestie­ge­nen Kos­ten haben aber nicht zu einem sprung­haf­ten Anstieg bei den Schul­den­re­gu­lie­rungs­ver­fah­ren geführt. 

Ins­ge­samt wur­den 2024 in Öster­reich 8.822 Pri­vat­kon­kur­se eröff­net, das ist Minus von 0,3 Pro­zent gegen­über 2023. Auf­fäl­lig sind die Ursa­chen : Ein Drit­tel davon ist auf „per­sön­li­ches Ver­schul­den“ zurück­zu­füh­ren. Das ent­spricht einem Zuwachs von 2,4 Pro­zent­punk­ten gegen­über 2023. Gemeint ist etwa die „Über­schät­zung der eige­nen Leis­tungs­kraft sowie ein schlech­tes Kon­sum­ver­hal­ten bzw. ein gene­rell schlech­ter Umgang mit Geld. 

Finanz­bil­dung als wesent­li­cher Hebel
Wie aus der KSV1870 Ana­ly­se her­vor­geht, tritt „per­sön­li­ches Ver­schul­den“ bei unter-40-jäh­ri­gen deut­lich häu­fi­ger in Erschei­nung als bei den über-40-Jäh­ri­gen. „Die bewuss­te Ver­schul­dung auf­grund eines über­bor­den­den Kon­sums betrifft alle Alters­klas­sen, ganz beson­ders aber die jün­ge­ren Gene­ra­tio­nen. Bei Gericht sehen wir vie­le Men­schen, die sich bereits früh in ihrem Leben mit einem der­art gro­ßen finan­zi­el­len Ruck­sack belas­ten, den sie kaum noch bewäl­ti­gen kön­nen“, erläu­tert erklärt Karl-Heinz Göt­ze, Lei­ter KSV1870 Insolvenz. 

Ange­sichts die­ser Ent­wick­lung hat der KSV1870 sei­ne Akti­vi­tä­ten im Bereich der Finanz­bil­dung wei­ter inten­si­viert und emp­fiehlt eine ver­stärk­te Ver­an­ke­rung des The­mas in den Lehr­plä­nen. „Jun­ge Men­schen vor Ver­schul­dung zu schüt­zen, liegt uns beson­ders am Her­zen. Nicht umsonst haben wir die­ses The­ma fest in unse­rer CSR-Stra­te­gie ver­an­kert“, so Göt­ze. Seit Jahr­zehn­ten infor­mie­ren KSV-Exper­ten über Risi­ken und klä­ren über Fol­gen der Ver­schul­dung auf.

Jede vier­te Plei­te wegen ehe­ma­li­ger Selb­stän­dig­keit und die Corona-Krise
Als zweit­häu­figs­te Ursa­che (27 Pro­zent) gilt wei­ter eine ehe­ma­li­ge Selb­stän­dig­keit. Wäh­rend Kon­sum­schul­den ins­be­son­de­re bei Jün­ge­ren mas­siv ins Gewicht fal­len, wird eine ehe­ma­li­ge Selb­stän­dig­keit vor allem bei der Alters­grup­pe ab 40 Jah­ren deut­lich häu­fi­ger als haupt­säch­li­cher Insol­venz­grund genannt. Die Reduk­ti­on des Ein­kom­mens ist in 14 Pro­zent der Fäl­le die ent­schei­den­de Insolvenzursache. 

Die finan­zi­el­len Fol­gen der Coro­na-Kri­se waren im Vor­jahr ledig­lich bei 0,7 Pro­zent Kon­kurs-Ursa­che. Laut KSV ist also die Pan­de­mie „kein rele­van­ter Fak­tor mehr für einen Pri­vat­kon­kurs“. Im Jahr 2021 war dies aber zen­tra­ler Grund für eine neu­er­li­che Ände­rung des an sich gut funk­tio­nie­ren­den Insol­venz­we­sens. Und so wur­de es „vie­len Pri­vat­per­so­nen ermög­licht, sich bereits nach drei, statt bis zu die­sem Zeit­punkt nach fünf Jah­ren zu ent­schul­den“, so der KSV, der nun wie­der die Rück­kehr zur 5‑jährigen Ent­schul­dungs­dau­er empfiehlt.

Til­gungs­plan für ehe­ma­li­ge Unter­neh­mer gedacht
Der KSV1870 setzt sich seit Jahr­zehn­ten für die zwei­te Chan­ce bei (red­li­chen) Unter­neh­mern ein. Denn im Gegen­satz zu „ech­ten“ Kon­sum­schuld­nern sor­gen red­li­che Unter­neh­mer für Wert­schöp­fung, schaf­fen Arbeits­plät­ze und tra­gen damit ein ungleich höhe­res Risi­ko sowie eine deut­lich höhe­re Ver­ant­wor­tung als Kon­su­men­ten. „Dass die EU die­ses The­ma adres­siert hat, war sehr posi­tiv und so war der Til­gungs­plan von der EU vor­ran­gig zur Ent­schul­dung von ehe­ma­li­gen Unter­neh­mern gedacht“, sagt Götze. 

In Öster­reich wur­de im Rah­men der Umset­zung auch Pri­vat­per­so­nen (befris­tet) Zugang gewährt. „Nach­dem sich aber Pri­vat­kon­kur­se von ehe­ma­li­gen Unter­neh­mern fun­da­men­tal unter­schei­den — sowohl hin­sicht­lich der Schul­den als auch der Insol­venz­ur­sa­chen — soll­te die­ses Ver­fah­ren, so wie ursprüng­lich gedacht, nur ehe­ma­li­gen Unter­neh­mern offen­ste­hen“, unter­streicht Karl-Heinz Göt­ze vom KSV 1870. 

red/czaak
30.05.2025

Weitere aktuelle Artikel

Ver­lag und Redak­ti­on von eco­no­my wün­schen allen Lesern und Wer­be­kun­den einen epo­cha­len Som­mer – auch wenn die letzt­jäh­ri­ge US-Tour der Rol­ling Stones doch nicht in Euro­pa fort­ge­setzt wird. Wie gewohnt zu die­sem Zeit­punkt : Auf ein paar ruhi­ge­re Tage als Unter­neh­mer oder ein paar beschau­li­che Wochen als Arbeit­neh­mer. Bei­des, die Wochen und Tage, in sinn­reich posi­tiv emo­tio­nal erfül­len­der Umge­bung […]
Unter­neh­men Roots Ener­gy ent­wi­ckelt modu­la­res Bau­kas­ten­sys­tem für erneu­er­ba­re Ener­gie­lö­sun­gen in bestehen­den Gebäu­den. Erst­mals schritt­wei­se Umrüs­tung zu deut­lich redu­zier­ten Kos­ten mög­lich. Emp­feh­lung von Kli­ma­fonds und Stadt Wien als Vorzeigeprojekt In Wien wur­de ges­tern ein neu­er Mei­len­stein für die Umrüs­tung auf erneu­er­ba­re Ener­gie­for­men in bestehen­den Gebäu­den eta­bliert : Das Wie­ner Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men Roots Ener­gy hat mit sei­nem „Roots Haus“ […]
Ener­gie­ge­mein­schaf­ten erzeu­gen und nut­zen gemein­sam Ener­gie mit Fokus auf erneu­er­ba­re Ener­gie­for­men. CAN­COM Aus­tria schafft eige­ne Ener­gy-Com­mu­ni­ty-Platt­form für Ver­net­zung und Ver­wal­tung für teil­neh­men­de Kom­mu­nen, Unter­neh­men und Privatpersonen. Ener­gie­ge­mein­schaf­ten sind für Kom­mu­nen, Unter­neh­men und Pri­vat­per­so­nen ein inno­va­ti­ves Kon­zept zur nach­hal­ti­gen Umset­zung der Ener­gie­wen­de. Die gemein­sa­me, auch lokal-regio­na­le Pro­duk­ti­on, Nut­zung und Tei­lung von erneu­er­ba­ren Ener­gie­for­men ist öko­no­misch und dazu […]
Mit 1.250 Euro je Qua­drat­me­ter über­holt Wohn­park Fon­ta­na die Stadt Perch­tolds­dorf als bis­he­ri­ge Num­mer bei Grund­stücks­prei­sen. Am ande­ren Ende der Ska­la für Nie­der­ös­ter­reich liegt Lud­weis-Aigen im Bezirk Waidhofen/​Thaya mit 4 Euro. Gene­rell stei­gen die Preise. Das Wirt­schafts­ma­ga­zin Gewinn hat sich öster­reich­weit die aktu­el­len Grund­stücks­prei­se ange­schaut und der Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schafts­pres­se­dienst spe­zi­ell die Situa­ti­on für Nie­der­ös­ter­reich. Dabei gab […]
Neue Spiel­re­geln in Hei­zungs­bran­che durch neue EU-Ver­ord­nung. Mar­tin Klo­bouc­nik, Geschäfts­füh­rer vom Kli­ma- und Heiz­tech­nik­spe­zia­lis­ten WOLF, zu Her­aus­for­de­run­gen für die Bran­che, war­um natür­li­che Käl­te­mit­tel wie Pro­pan die Zukunft sind und wel­che Chan­cen sich ergeben. Eco­no­my : Die EU-F-Gase-Ver­ord­nung ver­än­dert die Spiel­re­geln in der Hei­zungs­bran­che, ins­be­son­de­re beim The­ma Wär­me­pum­pen. Wel­che Her­aus­for­de­run­gen erge­ben sich durch die Umset­zung der Verordnung ? […]
magnifier linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram