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Aktu­el­le Ent­wick­lun­gen bei Start-Up Finanzierungen

Aber­mals weni­ger inter­na­tio­na­les Kapi­tal für Öster­reichs Start-Ups. Öster­rei­chi­sche Inves­to­ren bevor­zu­gen klei­ne­re Volu­mi­na. Maß­nah­men für Inno­va­tions-Stand­ort Öster­reich nötig, so aktu­el­le Ana­ly­sen von EY und invest.austria.

Die Situa­ti­on für Start-Ups und Jung­un­ter­neh­men in Öster­reich war auch 2024 sehr her­aus­for­dernd. Beim Finan­zie­rungs­vo­lu­men gab es bereits zum drit­ten Mal in Fol­ge einen Rück­gang. Gegen­über 2023 wur­den mit 578 Mil­lio­nen Euro um 17 Pro­zent weni­ger in öster­rei­chi­sche Jung­un­ter­neh­men inves­tiert. Auch bei der Anzahl der Finan­zie­rungs­run­den gab es ein Minus um 19 Pro­zent von 184 auf 149. 

Wäh­rend der Rück­gang bei den Finan­zie­rungs­run­den vor allem in der Früh­pha­se zu beob­ach­ten war, lässt sich das Minus beim Volu­men auf das Aus­blei­ben von Mega-Deals in einer Grö­ßen­ord­nung von mehr als 100 Mil­lio­nen Euro und weni­ger Finan­zie­rungs­run­den mit mehr als zehn Mil­lio­nen Euro zurück­füh­ren. Das sind die Ergeb­nis­se des Start-Up Invest­ment Baro­me­ters von EY in Zusam­men­ar­beit mit invest.austria. Berück­sich­tigt wur­den dabei ver­öf­fent­lich­te Finan­zie­rungs­run­den in Unter­neh­men mit Haupt­sitz in Öster­reich, deren Grün­dung höchs­tens zehn Jah­re zurückliegt.

Inter­na­tio­na­le Inves­to­ren­grup­pen zie­hen sich zurück – öster­rei­chi­sche wer­den aktiver
Der Rück­gang an grö­ße­ren Finan­zie­rungs­run­den liegt vor allem dar­an, dass inter­na­tio­na­le Inves­to­ren­grup­pen so wenig Geld wie noch nie seit dem Boom-Jahr 2021 in hei­mi­sche Start-Ups ste­cken. Die Sum­me und damit auch der Anteil gin­gen bereits das drit­te Jahr in Fol­ge zurück. 2024 kamen nur 38 Pro­zent (219 Mil­lio­nen Euro) des Gesamt­vo­lu­mens von rein inter­na­tio­nal besetz­ten Inves­to­ren­grup­pen. Davor waren es noch 314 Mil­lio­nen Euro und 45 Pro­zent (2023), 688 Mil­lio­nen Euro oder 68 Pro­zent (2022) und sogar 926 Mil­lio­nen Euro oder 75 Pro­zent (2021).

Gleich­zei­tig hat sich das Volu­men bei Run­den, bei denen hei­mi­sche Investor:innen ent­we­der betei­ligt oder allein aktiv waren, über die letz­ten Jah­re nur wenig ver­än­dert. 2024 lag es bei 343 Mil­lio­nen Euro (62 Pro­zent), 2023 bei 367 Mil­lio­nen Euro (55), 2022 bei 311 Mil­lio­nen Euro (32) und 2021 bei 291 Mil­lio­nen Euro (25 Prozent).

Umge­kehrt steig das Finan­zie­rungs­vo­lu­men mit aus­schließ­lich öster­rei­chi­schen Geld­ge­bern eben­so wie der Anteil an der Gesamt­sum­me über die letz­ten drei Jah­re kon­ti­nu­ier­lich an und zwar von 27 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2021 über 39 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2022 und 73 Mil­lio­nen Euro in 2023 bis zum vor­läu­fi­gen Höchst­wert von 75 Mil­lio­nen Euro im ver­gan­ge­nen Jahr.

Drin­gend Maß­nah­men zur Stär­kung des Inno­va­tions- und Start-up-Stand­orts Österreich
„Hohe Finan­zie­rungs­vo­lu­mi­na wer­den nur durch Mega-Run­den mit mehr als 100 Mil­lio­nen Euro erzielt, die aus­schließ­lich durch inter­na­tio­na­le Inves­to­ren getra­gen wer­den. Für Sca­le-Ups auf Wachs­tums­kurs heißt das : ohne inter­na­tio­na­le Kapi­tal­zu­flüs­se kein oder deut­lich weni­ger Wachs­tum“, so Flo­ri­an Haas von EY Öster­reich. „Wird nun der Geld­hahn inter­na­tio­na­ler Inves­to­ren­grup­pen in Rich­tung Öster­reich zuge­dreht, droht der Finan­zie­rungs­markt zumin­dest für Unter­neh­men in einer star­ken Wachs­tums­pha­se aus­zu­trock­nen“, betont der EY-Exper­te für Start-Up.

„Der Report und die aktu­el­le wirt­schaft­li­che Lage ver­deut­li­chen die Dring­lich­keit, die von invest.austria gefor­der­ten Maß­nah­men wie den Dach­fonds und steu­er­li­che Anreiz­sys­te­me rasch umzu­set­zen. Inno­va­ti­ve Gründer:innen sind der Motor für nach­hal­ti­ges Wachs­tum und Arbeits­plät­ze“, unter­streicht Danie­la Haun­stein, Geschäfts­füh­re­rin von invest.austria. „Bewährt, auch im euro­päi­schen Ver­gleich, sind etwa Dach­fonds mit staat­li­cher Unter­stüt­zung als Sti­mu­lus, damit pri­va­tes Kapi­tal in den Markt flie­ßen kann“, betont Haun­stein von invest.austria.

Rund zwei Drit­tel der Run­den mit öster­rei­chi­scher Beteiligung
An den 133 Finan­zie­rungs­run­den 2024, wo die Inves­to­ren bekannt sind, waren ins­ge­samt min­des­tens 392 öffent­lich kom­mu­ni­zier­te Inves­to­ren betei­ligt. 2023 waren es noch 478 bei 165 Finan­zie­rungs­run­den. Auch Anzahl und Anteil öster­rei­chi­scher Inves­to­ren sank deut­lich von 291 auf 196. Am zweit­häu­figs­ten waren 2024 Inves­to­ren mit Haupt­sitz in Deutsch­land ver­tre­ten (68), gefolgt von USA (39), Groß­bri­tan­ni­en und der Schweiz (jeweils 17).

Der Anteil an Finan­zie­rungs­run­den mit Betei­li­gung öster­rei­chi­scher Inves­to­ren lag 2024 eben­so wie 2023 bei 62 Pro­zent. 2022 waren es noch 75 Pro­zent. Der Anteil an Finan­zie­rungs­run­den, rein mit öster­rei­chi­schen Geld­ge­bern, ging von 40 Pro­zent im Jahr 2023 auf 36 Pro­zent zurück. Der Anteil mit rein inter­na­tio­na­len Inves­to­ren blieb fast ident bei 27 Pro­zent (2023 : 28 Pro­zent). Dem­entspre­chend gab es einen Anstieg bei Run­den, an denen sowohl hei­mi­sche als auch inter­na­tio­na­le Inves­to­ren betei­ligt waren – von 22 Pro­zent auf 26 Prozent.

Öster­rei­chi­sche Geld­ge­ber inves­tie­ren in Mobi­li­ty und Health
Mit stei­gen­dem Finan­zie­rungs­vo­lu­men nimmt wie auch schon in den Vor­jah­ren der Anteil öster­rei­chi­scher Inves­to­ren ab. Bei den ins­ge­samt elf Finan­zie­rungs­run­den mit einem Finan­zie­rungs­um­fang von mehr als zehn Mil­lio­nen Euro, wo Anga­ben zu den Inves­to­ren vor­lie­gen, lag die Quo­te inlän­di­scher Kapi­tal­ge­ber bei ins­ge­samt nur 25 Pro­zent. Bei den klei­ne­ren Finan­zie­rungs­run­den mit bis zu einer Mil­li­on Euro lag die Quo­te der hei­mi­schen Inves­to­ren bei 73 Pro­zent (104 von ins­ge­samt 143). Bei den mit­tel­gro­ßen Run­den im Umfang von einer bis zehn Mil­lio­nen Euro betrug die Quo­te inlän­di­scher Kapi­tal­ge­ber immer­hin 42 Pro­zent (73 von 175). 

Am höchs­ten war 2024 der Anteil an Inlands­in­ves­to­ren im Bereich Mobi­li­ty (18 von 19). Eben­falls über­durch­schnitt­lich hoch lag die Quo­te der Inlands­in­ves­to­ren mit jeweils min­des­tens 50 Pro­zent in den Berei­chen Health (59 Pro­zent), Edu­ca­ti­on (56), Soft­ware & Ana­ly­tics (53) und Hard­ware (50). Am gerings­ten war 2024 der Anteil der Inlands­in­ves­to­ren in den Berei­chen Pro­fes­sio­nal Ser­vices (14) und Fin­Tech (29 Pro­zent), so wei­te­re Ergeb­nis­se der Ana­ly­sen von EY und invest.austria.

red/czaak
04.02.2025

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