Zum Inhalt
© Pexels/ Mike Birdy

Star­ker Abschwung auf Neu­wa­gen­markt in gesam­ter EU

EU-Neu­wa­gen­markt schrumpft im August um 18 Pro­zent, ein Drit­tel unter Vor­kri­sen­ni­veau. In Öster­reich minus neun Pro­zent und 43 Pro­zent unter Vor­kri­sen­ni­veau. Auch Elek­tro­au­tos mas­siv unter Druck, so Ana­ly­se von EY.

Der EU-Neu­wa­gen­markt ver­zeich­ne­te im August den stärks­ten Ein­bruch seit über zwei Jah­ren : Mit einem Rück­gang der Pkw-Neu­zu­las­sun­gen um 18 Pro­zent lag das Absatz­ni­veau zudem 32 Pro­zent nied­ri­ger als im Vor­kri­sen­ver­gleichs­mo­nat August 2019. In Öster­reich wur­de ein Rück­gang um knapp neun Pro­zent regis­triert, das Vor­kri­sen­ni­veau wur­de um 43 Pro­zent unterschritten.

Die meis­ten EU-Län­der ver­zeich­ne­ten teils kräf­ti­ge Ein­bu­ßen : In 23 der 27 Län­der wur­den weni­ger Neu­wa­gen zuge­las­sen als im Vor­jah­res­mo­nat. Der aktu­el­le Ein­bruch ist aller­dings vor dem Hin­ter­grund eines rela­tiv star­ken Vor­jah­res­mo­nats zu bewer­ten, wo mit rund 644.000 Neu­zu­las­sun­gen der EU-Markt im August die­ses Jah­res etwa auf dem Niveau der Jah­re 2021 und 2022 lag.

2024 wer­den in der EU etwa zwei Mil­lio­nen Neu­wa­gen weni­ger ver­kauft als 2019
Ins­ge­samt pen­delt sich der Pkw-Absatz in der EU im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf immer noch leicht im Plus ein (Anm. 1,4 Pro­zent), in Öster­reich um fünf Pro­zent. Damit liegt das Markt­ni­veau EU-weit aber immer noch etwa ein Fünf­tel nied­ri­ger als im Ver­gleichs­zeit­raum des Jah­res 2019 vor dem Aus­bruch der Pan­de­mie. Im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf wur­den im Ver­gleich zu 2019 etwa 1,8 Mil­lio­nen Neu­wa­gen weni­ger zuge­las­sen. Im Gesamt­jahr wird die Lücke bei mehr als zwei Mil­lio­nen feh­len­den Neu­zu­las­sun­gen lie­gen, so eine Ana­ly­se von EY.

„Der Markt liegt deut­lich hin­ter den vor der Pan­de­mie übli­chen Absatz­zah­len. Vie­le Her­stel­ler kämp­fen mit einer Unter­aus­las­tung ihrer Auto­fa­bri­ken, was Kapa­zi­täts­an­pas­sun­gen nach sich zie­hen wird“, sagt Axel Preiss, Lei­ter Advan­ced Manu­fac­tu­ring & Mobi­li­ty bei EY. Er rech­net nicht mit einer bal­di­gen Markt­er­ho­lung. „Die Kon­junk­tur erholt sich nicht, die geo­po­li­ti­schen Span­nun­gen und Unsi­cher­hei­ten neh­men zu. Das alles führt zu Zurück­hal­tung beim Kauf­ver­hal­ten, sowohl im pri­va­ten als auch im gewerb­li­chen Bereich. Zudem ver­liert mit der E‑Mobilität ein wich­ti­ger Wachs­tums­trei­ber der Vor­jah­re der­zeit mas­siv an Dyna­mik“, so der Automarkt-Experte. 

Elek­tro­au­tos mas­siv im Rückwärtsgang
Deut­lich ver­stärkt im ver­gan­ge­nen Monat hat sich EU-weit der Abwärts­trend bei Elek­tro­au­tos : Im August san­ken hier die Neu­zu­las­sun­gen um 44 Pro­zent, in Öster­reich um 21 Pro­zent. Im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf ergibt sich für die EU wie auch für Öster­reich ein Minus von acht Pro­zent. Beson­ders stark war mit minus 69 Pro­zent der Ein­bruch in Deutsch­land, der dar­auf zurück­zu­füh­ren ist, dass im Vor­jah­res­mo­nat das bevor­ste­hen­de För­der-Aus für gewerb­li­che Käu­fe von E‑Autos für einen kur­zen Neu­zu­las­sungs-Boom sorgte. 

Aber auch außer­halb Deutsch­lands ent­wi­ckel­ten sich die Elek­tro-Neu­zu­las­sun­gen schwach : In 18 der 27 Län­der wur­den im August weni­ger Elek­tro­au­tos neu zuge­las­sen als im Vor­jah­res­mo­nat. Der Markt­an­teil sank EU-weit von 21 auf 14 Pro­zent, in Öster­reich von 21 auf 18 Pro­zent. Einen sin­ken­den Markt­an­teil von Elek­tro­au­tos wie­sen immer­hin 17 der 27 EU-Län­der auf, rund 60 Prozent. 

Ver­län­ge­rung des auf­wen­di­gen Neben­ein­an­ders von Ver­bren­nern und Elektroautos
„Der E‑Automarkt steckt in der Kri­se“, sagt Preiss. „Es kom­men lau­fend neue Model­le auf den Markt, die attrak­ti­ver und leis­tungs­stär­ker sind. Trotz­dem hal­ten sich Käufer:innen im Moment zurück. Das liegt in man­chen Län­dern auch an aus­lau­fen­den oder sin­ken­den För­de­run­gen. Der hohe Preis ist beim E‑Au­to-Absatz im Moment noch das größ­te Thema.“ 

Auch bei den The­men Reich­wei­te, Lade­dau­er, Lade­infra­struk­tur und Strom­kos­ten blie­ben vie­le Kund:innen immer noch skep­tisch. Das Ergeb­nis der aktu­el­len Elek­tro-Kri­se ist laut Preiss nun, „dass der Ver­bren­ner eine Renais­sance erlebt. Für Her­stel­ler bedeu­tet das die Ver­län­ge­rung des finan­zi­ell auf­wen­di­gen Neben­ein­an­ders von Ver­bren­nern und Elek­tro­au­tos“, erläu­tert der EY-Experte.

Im Osten Euro­pas spie­len Elek­tro­au­tos kei­ne Rolle
Hohe Elek­tro-Markt­an­tei­le fin­det man der­zeit vor allem in Nord­eu­ro­pa und den Bene­lux-Län­dern — und das, auch dank groß­zü­gi­ger staat­li­cher För­der­maß­nah­men. Däne­mark wies etwa im August mit 55 Pro­zent den EU-weit höchs­ten Markt­an­teil von Elek­tro­au­tos auf. In den meis­ten ande­ren EU-Län­dern sind Elek­tro­au­tos hin­ge­gen nach wie vor ein abso­lu­tes Nischen­pro­dukt. In 15 (von 27) EU-Län­dern lag der Elek­tro-Markt­an­teil im August unter zehn Prozent. 

Beson­ders nied­rig ist der Markt­an­teil von Elek­tro­au­tos in den ost- und süd­ost­eu­ro­päi­schen Län­dern. Ins­ge­samt betrug hier der Markt­an­teil im August 4 Pro­zent, nach 5 Pro­zent im Vor­jah­res­zeit­raum. Der Absatz schrumpf­te um sat­te 27 Pro­zent. „Die Elek­tro­mo­bi­li­tät kommt in skan­di­na­vi­schen Län­dern gut vor­an, in Ost­eu­ro­pa spielt sie kaum eine Rol­le. Ob die ambi­tio­nier­ten Elek­tro-Zie­le der EU rea­li­sier­bar sind, bleibt bei die­sem Tem­po frag­lich“, sagt Preiss. 

Plug-in Hybri­de ver­lie­ren weni­ger stark als Elektroautos
Auch Plug-in-Hybri­de ver­zeich­ne­ten im August Ein­bu­ßen, aber EU-weit weni­ger deut­lich als Elek­tro­au­tos. Ins­ge­samt schrumpf­te der Absatz von Plug-in-Hybri­den in der EU im August um 22 Pro­zent, der Markt­an­teil sank von 7,4 auf 7,1 Pro­zent. In Öster­reich gin­gen die Neu­zu­las­sun­gen um 22 Pro­zent zurück, der Markt­an­teil sank von 7,7 auf 6,5 Prozent. 

In Sum­me ver­zeich­ne­ten Neu­wa­gen mit Ste­cker – also soge­nann­te PHEV und BEV – EU-weit einen Absatz­rück­gang von 38 Pro­zent, der gemein­sa­me Markt­an­teil sank von 28,4 auf 21,5 Pro­zent. Am höchs­ten ist der kom­bi­nier­te Markt­an­teil von PHEVs und BEVs in Däne­mark mit 58 Pro­zent, am nied­rigs­ten in der Slo­wa­kei mit vier Prozent. 

red/czaak
24.09.2024

Weitere aktuelle Artikel

Leich­te Ent­span­nung bei Fir­men­plei­ten in Nie­der­ös­ter­reich, so eine Ana­ly­se des Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Wirt­schafts­pres­se­diens­tes auf Basis der aktu­el­len Hoch­rech­nun­gen des KSV 1870 für ganz Österreich. In Nie­der­ös­ter­reich gab es im ers­ten Halb­jahr 2025 bei der Ent­wick­lung der Fir­men­plei­ten eine leich­te Ent­span­nung. Laut einer Ana­ly­se des NÖ-Wirt­schafts­pres­se­dienst mit den Wer­ten aus der aktu­el­len gesamt­ös­ter­rei­chi­schen Hoch­rech­nung des Kre­dit­schutz­ver­ban­des KSV1870, sind […]
Neue Initia­ti­ve stärkt Kul­tur der Bar­geld­zah­lung und för­dert fai­re Pra­xis beim Trink­geld. Unter­neh­men Geld­ser­vice Aus­tria star­tet den welt­weit ers­ten Fan­shop für Bargeld. Mit­ten in der aktu­el­len Debat­te zum Trink­geld in der Gas­tro­no­mie bekräf­tigt die GSA (Geld­ser­vice Aus­tria) die Bedeu­tung von Bar­geld und setzt zudem ein Zei­chen für eine geleb­te Trink­geld­kul­tur in Öster­reich. Heimo Ertl, Geschäfts­füh­rer […]
Zahl der Fir­men­plei­ten wei­ter­hin auf sehr hohem Niveau. Ent­wick­lung bleibt aller Vor­aus­sicht nach bis Jah­res­en­de, so aktu­el­le Erhe­bung der Kre­dit­schüt­zer vom KSV1870. Laut aktu­el­ler KSV1870 Hoch­rech­nung muss­ten im ers­ten Halb­jahr 2025 in Öster­reich 3.500 Unter­neh­men (+ sechs Pro­zent) Insol­venz anmel­den. Das ent­spricht durch­schnitt­lich 19 Fir­men­plei­ten pro Tag. Der Han­del, die Bau­wirt­schaft und der Sek­tor Gastronomie/​Beherbergung ver­zeich­nen […]
Öster­reichs wohl­ha­ben­de Fami­li­en legen Geld fokus­siert an und errei­chen 2024 Rekord­ni­veau bei Deals mit sozia­lem und öko­lo­gi­schem Nut­zen. In Sum­me Invest­ments über fünf Mrd. Euro mit Schwer­punk­ten Start-Ups und Immo­bi­li­en, so aktu­el­le PwC-Studie. Die wohl­ha­bends­ten Fami­li­en in Öster­reich inves­tie­ren ihr Kapi­tal zuneh­mend geziel­ter : Statt vie­ler klei­ner Betei­li­gun­gen fließt es ver­mehrt in weni­ge, exakt aus­ge­wähl­te Groß­in­vest­ments, […]
Kon­so­li­die­rungs­pa­ket der neu­en Öster­rei­chi­schen Regie­rung redu­ziert Finan­zie­rungs­lü­cke und ist als ers­ter Schritt zu begrü­ßen. Bud­get­dy­na­mik bleibt jedoch und so braucht es rasch wei­te­re Kon­so­li­die­rungs­schrit­te, so der Öster­rei­chi­sche Fiskalrat. Die neue Öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung hat im Kon­text mit dem zu hohen Bud­get­de­fi­zit eine Rei­he an Maß­nah­men ein­ge­lei­tet. Der Öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat begrüßt nun die­se Maß­nah­men, warnt aber gleich­zei­tig […]
magnifier linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram