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Das Trau­ma der hor­ren­den Energiekosten

Trotz sin­ken­der Tari­fe spa­ren Öster­rei­cher bei Ener­gie. Enor­me Preis­er­hö­hun­gen der letz­ten Jah­re blei­ben unver­ges­sen. Unter Ver­zicht auf Gewohn­hei­ten wer­den wei­ter Kos­ten eingeschränkt.

In Nie­der­ös­ter­reich waren für ein Wohn­haus einer vier­köp­fi­gen Fami­lie mit rund 250 m² Nut­zungs­flä­che für Strom und Gas ein Kos­ten­be­trag von jähr­lich rund EUR 4.500,- fäl­lig. Schon die­ser Betrag war ver­brauchs­be­dingt ver­gleichs­wei­se höher als die Norm. Mit Ukrai­ne­krieg, Coro­na, Coro­na-Unter­stüt­zun­gen konn­ten sich die Kos­ten dann auf 13.600,- rund ver­drei­fa­chen. Eco­no­my lie­gen dazu aktu­el­le Abrech­nun­gen vor – und die­ses Bei­spiel ist kein Ein­zel­fall. Vie­le Fami­li­en, Ein­zel­per­so­nen, Pen­sio­nis­ten und Unter­neh­men brach­ten der­art hor­ren­de Ener­gie­preis­er­hö­hun­gen in mas­si­ve Existenznöte.

Und dazu kam dann noch gro­ßes Unver­ständ­nis, als ein Ener­gie-Ver­sor­gungs­be­trieb in Nie­der­ös­ter­reich über 100 Mil­lio­nen Euro als soge­nann­te Son­der-Divi­den­de an sei­ne Mit­ei­gen­tü­mer „aus­schüt­te­te“. Beob­ach­ter kom­men­tier­ten dies mit : „Die Coro­na-Unter­stüt­zun­gen für Unter­neh­men müs­sen ja wie­der refi­nan­ziert wer­den.“ Die Fol­ge war gro­ße Unzu­frie­den­heit und Unver­ständ­nis in der Bevöl­ke­rung, ein mög­li­cher Grund auch für das Wahl­ver­hal­ten bei der aktu­el­len Nationalratswahl. 

Belas­ten­de Preis­trei­be­rei bleibt noch lan­ge im Gedächtnis
Als gesi­chert gilt, dass die­se für die Men­schen über­aus belas­ten­de Preis­trei­be­rei noch sehr lan­ge im Gedächt­nis blei­ben wird und das zeigt auch eine aktu­el­le Erhe­bung des Bera­tungs­un­ter­neh­mens EY. „Das The­ma Ener­gie beglei­tet die Österreicher:innen durch den All­tag und es ist in der hei­mi­schen Poli­tik eben­falls prä­sent“, so EY. 

Mit dem aktu­el­len Geset­zes­ent­wurf für das Elek­tri­zi­täts­wirt­schafts­ge­setz ist nun eine Abrech­nung der Ener­gie­kos­ten auf monat­li­cher Basis ange­dacht. Für die Hälf­te der Österreicher:innen wäre die Ener­gie­kos­ten­ab­rech­nung auf monat­li­cher Basis vor­stell­bar. Gegen eine monat­li­che Abrech­nung sind 31 Pro­zent, sie­ben Pro­zent davon wol­len das „auf gar kei­nen Fall“. 

Strom­rech­nung güns­ti­ger ausgefallen
Ver­gleich man die letz­te Strom­rech­nung mit der aus dem Vor­jahr, so konn­te fast ein Vier­tel in etwa gleich­blei­ben­de Prei­se fest­stel­len. Knapp 31 Pro­zent geben an, die Strom­rech­nung sei gestie­gen – bei 18 Pro­zent erheb­lich, bis 30 Pro­zent, bei neun Pro­zent enorm, bis 60 Pro­zent und bei drei Pro­zent hor­rend um mehr als 61 Prozent. 

Dem gegen­über ste­hen 35 Pro­zent, die eine nied­ri­ge­re Strom­rech­nung im Vor­jah­res­ver­gleich erhal­ten haben. Bei 21 Pro­zent sind die Ener­gie­aus­ga­ben etwas gesun­ken (um 1 bis 30 Pro­zent), bei zehn Pro­zent erheb­lich (um 31 bis 60 Pro­zent) und bei vier Pro­zent macht die Reduk­ti­on Anga­ben zufol­ge sogar mehr als 61 Pro­zent aus.

Sche­re zwi­schen gestie­ge­nen und gesun­ken Kos­ten weit aus­ein­an­der „Wir sehen heu­er ganz stark, dass die Sche­re zwi­schen gestie­ge­nen und gesun­ken Kos­ten weit aus­ein­an­der geht. Der Grund ist, dass die Wei­ter­ga­be von Strom­preis­ent­wick­lun­gen unter ande­rem von der Beschaf­fungs­po­li­tik der Ener­gie­ver­sor­ger abhängt“, erklärt Chris­ti­na Khi­nast-Sit­ten­tha­ler, Lei­te­rin des Ener­gie­sek­tors bei EY Österreich.

„Wäh­rend die extrem hohen Prei­se zum Höhe­punkt der Ener­gie­kri­se im Herbst 2022 erst viel spä­ter bei den Haus­hal­ten ange­kom­men sind, ergibt sich jetzt der umge­kehr­te Effekt : Die lang­sa­me Erho­lung der Prei­se kommt erst ver­zö­gert bei den Endkund:innen an“, so die EY-Exper­tin. Fast 20 Pro­zent der Öster­rei­cher kön­nen Rech­nun­gen nicht mehr pünkt­lich zahlen 
Fast neun von zehn Österreicher:innen geben an, aktiv Ener­gie zu spa­ren, um die Kos­ten ein­zu­schrän­ken. Auch wenn die Ener­gie­spa­rer immer noch die deut­li­che Mehr­heit mar­kie­ren, ist die Zahl gegen­über der bei­den Vor­jah­re leicht rück­läu­fig, 2022 und 2023 lag sie noch bei 88 Pro­zent. Vor allem Per­so­nen der Alters­grup­pe von 50 bis 65 Jah­ren set­zen auf Spar­maß­nah­men (87 Pro­zent), aber auch die Jün­ge­ren im Alter von 18 bis 49 Jah­ren behal­ten die Strom­kos­ten genau im Blick. 

Für die Hälf­te der Befrag­ten haben die stei­gen­den Ener­gie­prei­se auch Aus­wir­kun­gen auf ande­re Lebens­be­rei­che, über sie­ben von zehn Befrag­ten gehen sel­te­ner aus­wärts essen, zwei Drit­tel spa­ren beim Urlaub und 55 Pro­zent geben weni­ger für Beklei­dung. Knapp jede:r Zwei­te macht sich Sor­gen, in Zukunft die Rech­nun­gen auf­grund stei­gen­der Ener­gie­prei­se nicht mehr bezah­len zu kön­nen. Und 18 Pro­zent kön­nen aktu­ell bereits die Rech­nun­gen nicht mehr pünkt­lich begleichen. 

Gespart wird vor allem bei Nut­zung von Haushaltsgeräten
Gespart wird dabei vor allem im Haus­halt bei Betrieb und Nut­zung der ver­schie­de­nen Gerä­te. Nur fünf Pro­zent set­zen kei­ne Maß­nah­men zum Ener­gie­spa­ren. Für zwei Drit­tel ist der wich­tigs­te Grund für die Ein­spa­rung bei Ener­gie wei­ter­hin das eige­ne Geld­bör­serl. Für 35 Pro­zent ist spa­ren gleich wich­tig wie der Kli­ma­schutz und für sie­ben Pro­zent steht der Umwelt­ge­dan­ke im Vor­der­grund. „Ange­kom­men ist auch, dass bereits Klei­nig­kei­ten rei­chen, um die Kos­ten zu sen­ken, etwa den Licht­schal­ter zu betä­ti­gen, sobald man den Raum ver­lässt. Der Umwelt­ge­dan­ke ist der­zeit noch sekun­där, doch mit einem stei­ger­ten Bewusst­sein für Res­sour­cen und akti­ve Kli­ma­dis­kus­sio­nen wird das The­ma Nach­hal­tig­keit prä­sen­ter wer­den“, so Khinast-Sittenthaler. 

Immer noch Kri­tik an Stromanbietern 
Trotz aller Belas­tun­gen, blei­ben knapp zwei Drit­tel ihren Strom­an­bie­tern treu. Dem gegen­über ste­hen 21 Pro­zent, die sich eine Ände­rung über­legt, die­se aber nicht durch­ge­führt haben. 16 Pro­zent haben sich tat­säch­lich für ein neu­es Unter­neh­men entschieden. 

Grund nicht zu wech­seln war vor allem der Man­gel an Infor­ma­tio­nen über Ein­spa­run­gen (32 Pro­zent), gefolgt von Zufrie­den­heit mit dem aktu­el­len Strom­an­bie­ter (31) und Man­gel an Ver­trau­en in Alter­na­ti­ven (25 Pro­zent). „Ein zen­tra­les Ele­ment für die Unzu­frie­den­heit mit den Strom­an­bie­tern war die Uner­reich­bar­keit bei Fra­gen und de fac­to kei­ne Trans­pa­renz bei den diver­sen Abrech­nungs­ta­ri­fen“, bestä­tigt ein Kun­de des ein­gangs erwähn­ten Ener­gie-Ver­sor­gungs­an­bie­ters in Niederösterreich. 

red/czaak
11.10.2024

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