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© Pexels.com/karolina grabowska

Öster­reichs Phy­sio­the­ra­pie braucht noch mehr Ausbildung

Neue Stu­die am IMC-Krems lie­fert grund­le­gen­de Daten zur Qua­li­fi­ka­ti­on von öster­rei­chi­schen Phy­sio­the­ra­peu­ten. Pri­mär geht es um das Wis­sen im Umgang mit schwer­wie­gen­den Erkran­kun­gen und die dann nöti­gen Entscheidungen.

Öster­reichs Phy­sio­the­ra­peu­tin­nen und ‑the­ra­peu­ten brau­chen noch mehr Trai­ning und prak­ti­sche Erfah­rung. Es geht um das bes­se­re Erken­nen von ernst­haf­ten Gesund­heits­pro­ble­men und sodann kli­nisch rele­van­te Ent­schei­dun­gen zum Woh­le der Behan­del­ten zu tref­fen. Das ist das Fazit einer Stu­die unter der Lei­tung des IMC-Krems, die kürz­lich auch im Fach­jour­nal BMC Pri­ma­ry Care ver­öf­fent­licht wurde. 

Gesund­heit und Lebens­qua­li­tät der Bevölkerung
Ins­be­son­de­re die Ent­schei­dungs­fä­hig­keit, ob eine phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung fort­ge­führt („keep“) oder der/​die Betrof­fe­ne an den Arzt zurück über­wie­sen wer­den sol­len („refer“), könn­te durch geziel­te Fort­bil­dung und spe­zia­li­sier­te Trai­nings­pro­gram­me wei­ter ver­bes­sert wer­den. Die Ergeb­nis­se machen deut­lich, dass geziel­te Maß­nah­men wün­schens­wert und not­wen­dig sind, um das Wis­sen der Fach­kräf­te vor allem im Umgang mit schwer­wie­gen­den Erkran­kun­gen zu erweitern.

Auch Öster­reich ist auf die Exper­ti­se sei­ner Phy­sio­the­ra­peu­ten ange­wie­sen, um die Gesund­heit und Lebens­qua­li­tät der Bevöl­ke­rung zu bewah­ren oder nach­hal­tig zu för­dern. Gut aus­ge­bil­de­te Fach­kräf­te spie­len beson­ders bei der Reha­bi­li­ta­ti­on nach Ver­let­zun­gen oder bei der Betreu­ung chro­nisch Erkrank­ter eine ent­schei­den­de Rol­le. Ein For­schungs­team unter der Lei­tung von Jes­si­ca Jans­sen und Wolf­gang Lacken­bau­er vom Insti­tut für The­ra­pie- und Heb­am­men­wis­sen­schaf­ten am IMC Krems hat in einer aktu­el­len Stu­die erst­mals Basis­da­ten zur Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz der Fach­kräf­te für Phy­sio­the­ra­pie erho­ben – und dabei durch­aus Ver­bes­se­rungs­be­darf festgestellt. 

Kli­ni­sche Vignet­ten mit roten Fahnen
Für die Stu­die wur­den 479 Phy­sio­the­ra­peu­tin­nen und ‑the­ra­peu­ten befragt. Auf dem Prüf­stand stand dabei ihre Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz, ob fik­ti­ve Pati­en­ten auf­grund ihrer Fall­be­schrei­bung („kli­ni­sche Vignet­te“) wei­ter behan­delt („keep“) oder zur erneu­ten Abklä­rung an Ärz­tin bzw. Arzt zurück über­wie­sen wer­den soll­ten („refer“). “Beson­de­res Augen­merk haben wir auf das Erken­nen soge­nann­ter „Red Flags“, also Warn­zei­chen für eine ernst­haf­te Erkran­kung gelegt”, sagt Jes­si­ca Janssen. 

Dass bei der Ein­schät­zung des wei­te­ren Vor­ge­hens Ver­bes­se­rungs­be­darf besteht, zeig­ten die Stu­di­en­ergeb­nis­se sehr deut­lich. Bei kri­ti­schen kli­ni­schen Vignet­ten ent­schie­den nur 54 Pro­zent der teil­neh­men­den Fach­per­so­nen rich­tig, bei Fäl­len mit mus­ku­los­ke­letta­len Erkran­kun­gen waren es immer­hin 71 und bei unkri­ti­schen medi­zi­ni­schen Fäl­len fast 80 Pro­zent. Ledig­lich 2 Fach­kräf­te konn­ten alle 12 vor­ge­stell­ten Fäl­le kom­plett rich­tig beur­tei­len. Ins­ge­samt zeig­te sich somit, dass das Erken­nen der “Red Flags”, also Anzei­chen für schwer­wie­gen­de Erkran­kun­gen, noch mehr geziel­ter Schu­lun­gen bedarf. 

Fort­bil­dung und Kooperation
Pas­send zu die­sem Ergeb­nis gaben auch mehr als die Hälf­te der befrag­ten The­ra­peu­ten an, dass sie sich eine ver­stärk­te Fort­bil­dung im Bereich schwer­wie­gen­der Erkran­kun­gen, die sich bei Beschwer­den des Mus­kel-Ske­lett-Sys­tems ver­ber­gen kön­nen, wün­schen. „Unse­re Stu­die zeigt, dass es ein deut­li­ches Poten­zi­al und eine Bereit­schaft für eine Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Phy­sio­the­ra­pie in Öster­reich gibt. Hier soll­ten also geziel­te Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten im Bereich der kli­ni­schen Ent­schei­dungs­fin­dung und der Erken­nung von „Red Flags“ ange­bo­ten wer­den“, erklärt Wolf­gang Lacken­bau­er. Ein enger Aus­tausch und eine inter­pro­fes­sio­nel­le Zusam­men­ar­beit zwi­schen phy­sio­the­ra­peu­ti­schem Fach­per­so­nal und Ärz­ten sind aller­dings ent­schei­dend für eine best­mög­li­che Ver­sor­gung der Patienten. 

Die Ergeb­nis­se die­ser Stu­die unter­strei­chen die Not­wen­dig­keit, in die Aus- und Wei­ter­bil­dung von Phy­sio­the­ra­peu­tin­nen und Phy­sio­the­ra­peu­ten zu inves­tie­ren, so das IMC-Krems in einer Aus­en­dung. Mit der rich­ti­gen Aus­bil­dung und einem ver­stärk­ten Fokus auf das Erken­nen von „Red Flags“ kön­nen sie die Ver­sor­gung ihrer Pati­en­ten wei­ter ver­bes­sern und gleich­zei­tig das Gesund­heits­sys­tem ent­las­ten. Auch künf­ti­ge For­schungs­in­itia­ti­ven könn­ten spe­zi­fi­sche Trai­nings­pro­gram­me för­dern, die sowohl die kli­ni­sche Ent­schei­dungs­fin­dung als auch die inter­pro­fes­sio­nel­le Zusam­men­ar­beit wei­ter för­dern, so das IMC-Krems.

red/cc
21.01.2025

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