Zum Inhalt
© Pexels.com/fotios photos

Fach­kräf­te­man­gel gefähr­det Wirtschaftswachstum

Sieb­zig Pro­zent der Öster­rei­chi­schen Betrie­be fin­den kei­ne geeig­ne­ten Mit­ar­bei­ter. Drei­ßig Pro­zent ver­lie­ren dadurch Umsät­ze. Rekru­tie­rungs­kos­ten stei­gen kon­ti­nu­ier­lich, so neue Stu­die von EY.

Der Motor der öster­rei­chi­schen Wirt­schaft sind pri­mär mit­tel­stän­di­sche Betrie­be und Fami­li­en­un­ter­neh­men. Bei­de Seg­men­te sind bekannt für ihre Anpas­sungs­fä­hig­keit und ihre Inno­va­ti­ons­kraft. Die struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen am Arbeits­markt stel­len nun aber ins­be­son­de­re klei­ne und mit­tel­gro­ße Unter­neh­men vor mas­si­ve Herausforderungen. 

Rezes­si­on und hohe Ener­gie­prei­se und Infla­ti­on als wei­te­re Belastungen
Ein zen­tra­les The­ma ist dabei der Fach­kräf­te­man­gel. Die­ser ist für 67 (!) Pro­zent der Mit­tel­stands­un­ter­neh­men auch wei­ter­hin das größ­te Wachs­tums­ri­si­ko. Als wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen, Belas­tun­gen und zen­tra­le Risi­ken gel­ten die Rezes­si­on (65 Pro­zent), hohe Ener­gie­prei­se (61) und die Infla­ti­on (62 Prozent).

Beson­ders pro­ble­ma­tisch im Kon­text mit dem Fach­kräf­te­man­gel bleibt die Lage in spe­zi­fi­schen Sek­to­ren wie dem Immo­bi­li­en- und Bau­ge­wer­be, wo 36 Pro­zent der Unter­neh­men die Fach­kräf­te­re­kru­tie­rung als „sehr schwer“ ein­stu­fen. Im Tou­ris­mus­be­reich mel­den 30 Pro­zent der Betrie­be eine „sehr schwie­ri­ge“ Situa­ti­on, wäh­rend der Gesund­heits-Sek­tor mit 15 Pro­zent ver­gleichs­wei­se am wenigs­ten betrof­fen ist. 

Regio­na­le Unter­schie­de und die Gründe
Ein Blick auf die Bun­des­län­der zeigt die unter­schied­li­che regio­na­le Aus­prä­gung beim The­ma Fach­kräf­te­man­gel. Beson­ders stark betrof­fen sind die Unter­neh­men in Kärn­ten (42 Pro­zent), ähn­lich pre­kär ist die Lage im Bur­gen­land und in Salz­burg. Im Gegen­satz dazu zeigt sich Vor­arl­berg weni­ger betrof­fen : Hier bewer­ten 18 Pro­zent der Betrie­be die Rekru­tie­rung als „sehr schwierig“. 

Als wich­tigs­ten Grund für den Fach­kräf­te­man­gel machen die Betrie­be die man­geln­de Bereit­schaft unter Bewerber:innen aus, in Voll­zeit zu arbei­ten (61 Pro­zent). Zweit­wich­tigs­ter Grund ist der demo­gra­fi­sche Wan­del bzw. die Alte­rung der Bevöl­ke­rung (39). Auch die man­geln­de Aus­bil­dung und Qua­li­fi­ka­ti­on der Bewerber:innen ist rele­vant (36). Und jeder vier­te Betrieb pran­gert die unzu­rei­chen­de Unter­stüt­zung sei­tens der Regie­rung an, zu Jah­res­be­ginn lag die­ser Anteil noch bei 31 Pro­zent. Düs­ter bleibt auch der Aus­blick : 84 Pro­zent der Unter­neh­men glau­ben an eine wei­te­re Verschärfung.

Fach­kräf­te­man­gel auch gesell­schafts­po­li­ti­sches Thema
„Der Fach­kräf­te­man­gel ist ein struk­tu­rel­les Pro­blem, das nicht von heu­te auf mor­gen gelöst wer­den kann. Beson­ders klei­ne­re Unter­neh­men sind in die­sem inten­si­ven Wett­be­werb um Talen­te stark gefor­dert, da sie häu­fig weni­ger Res­sour­cen für kom­ple­xe Rekru­tie­rungs­pro­zes­se haben. Der Druck steigt, um wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben“, erklärt Erich Leh­ner, Part­ner und Mit­tel­stands­exper­te bei EY Öster­reich, das öster­reich­weit rund 500 Ver­ant­wort­li­che von mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter:innen zum The­ma befragt hat. 

Um nun dem Fach­kräf­te­man­gel ent­ge­gen­zu­wir­ken, set­zen mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men auf geziel­te Maß­nah­men wie Inten­si­vie­rung von Aus- und Wei­ter­bil­dungs­pro­gram­men, die Fle­xi­bi­li­sie­rung der Arbeits­zeit­ge­stal­tung und das Ange­bot von Zusatz­leis­tun­gen und Bene­fits. Auch der Ruf nach poli­ti­scher Unter­stüt­zung kommt wei­ter­hin, der Fach­kräf­te­man­gel ist auch ein gesell­schafts­po­li­ti­sches Thema. 

Bil­dungs­in­itia­ti­ven und poli­ti­sche Unter­stüt­zung als Stellschrauben
Rund 36 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men bewer­ten die aktu­el­len staat­li­chen Maß­nah­men als unzu­rei­chend, wäh­rend nur zehn Pro­zent eine posi­ti­ve Ein­schät­zung abge­ben. 54 Pro­zent der Unter­neh­men erwar­ten eine stär­ke­re För­de­rung von Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und geziel­te Koope­ra­tio­nen mit Unter­neh­men sowie eine Erhö­hung der Attrak­ti­vi­tät spe­zi­fi­scher Arbeits­plät­ze (42) und der geziel­ten Zuwan­de­rung von qua­li­fi­zier­ten Arbeits­kräf­ten (39 Prozent). 

„Die Poli­tik muss han­deln, es braucht Bil­dungs­in­itia­ti­ven, effi­zi­en­te­re Aner­ken­nungs­ver­fah­ren und geziel­te Unter­stüt­zung von Wei­ter­bil­dungs­pro­gram­men. Es geht um ein kla­res Bekennt­nis zu nach­hal­ti­gen Lösun­gen, um den Mit­tel­stand zu stär­ken und dem Fach­kräf­te­man­gel ent­ge­gen­zu­wir­ken. Wenn wir hier nicht schnell reagie­ren, ver­lie­ren wir den Anschluss an den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb und ver­ge­ben lang­fris­ti­ge wirt­schaft­li­che Chan­cen“, unter­streicht Erich Leh­ner von EY. 

red/czaak
23.01.2025

Weitere aktuelle Artikel

Leich­te Ent­span­nung bei Fir­men­plei­ten in Nie­der­ös­ter­reich, so eine Ana­ly­se des Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Wirt­schafts­pres­se­diens­tes auf Basis der aktu­el­len Hoch­rech­nun­gen des KSV 1870 für ganz Österreich. In Nie­der­ös­ter­reich gab es im ers­ten Halb­jahr 2025 bei der Ent­wick­lung der Fir­men­plei­ten eine leich­te Ent­span­nung. Laut einer Ana­ly­se des NÖ-Wirt­schafts­pres­se­dienst mit den Wer­ten aus der aktu­el­len gesamt­ös­ter­rei­chi­schen Hoch­rech­nung des Kre­dit­schutz­ver­ban­des KSV1870, sind […]
Neue Initia­ti­ve stärkt Kul­tur der Bar­geld­zah­lung und för­dert fai­re Pra­xis beim Trink­geld. Unter­neh­men Geld­ser­vice Aus­tria star­tet den welt­weit ers­ten Fan­shop für Bargeld. Mit­ten in der aktu­el­len Debat­te zum Trink­geld in der Gas­tro­no­mie bekräf­tigt die GSA (Geld­ser­vice Aus­tria) die Bedeu­tung von Bar­geld und setzt zudem ein Zei­chen für eine geleb­te Trink­geld­kul­tur in Öster­reich. Heimo Ertl, Geschäfts­füh­rer […]
Zahl der Fir­men­plei­ten wei­ter­hin auf sehr hohem Niveau. Ent­wick­lung bleibt aller Vor­aus­sicht nach bis Jah­res­en­de, so aktu­el­le Erhe­bung der Kre­dit­schüt­zer vom KSV1870. Laut aktu­el­ler KSV1870 Hoch­rech­nung muss­ten im ers­ten Halb­jahr 2025 in Öster­reich 3.500 Unter­neh­men (+ sechs Pro­zent) Insol­venz anmel­den. Das ent­spricht durch­schnitt­lich 19 Fir­men­plei­ten pro Tag. Der Han­del, die Bau­wirt­schaft und der Sek­tor Gastronomie/​Beherbergung ver­zeich­nen […]
Öster­reichs wohl­ha­ben­de Fami­li­en legen Geld fokus­siert an und errei­chen 2024 Rekord­ni­veau bei Deals mit sozia­lem und öko­lo­gi­schem Nut­zen. In Sum­me Invest­ments über fünf Mrd. Euro mit Schwer­punk­ten Start-Ups und Immo­bi­li­en, so aktu­el­le PwC-Studie. Die wohl­ha­bends­ten Fami­li­en in Öster­reich inves­tie­ren ihr Kapi­tal zuneh­mend geziel­ter : Statt vie­ler klei­ner Betei­li­gun­gen fließt es ver­mehrt in weni­ge, exakt aus­ge­wähl­te Groß­in­vest­ments, […]
Kon­so­li­die­rungs­pa­ket der neu­en Öster­rei­chi­schen Regie­rung redu­ziert Finan­zie­rungs­lü­cke und ist als ers­ter Schritt zu begrü­ßen. Bud­get­dy­na­mik bleibt jedoch und so braucht es rasch wei­te­re Kon­so­li­die­rungs­schrit­te, so der Öster­rei­chi­sche Fiskalrat. Die neue Öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung hat im Kon­text mit dem zu hohen Bud­get­de­fi­zit eine Rei­he an Maß­nah­men ein­ge­lei­tet. Der Öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat begrüßt nun die­se Maß­nah­men, warnt aber gleich­zei­tig […]
magnifier linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram