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Sex­ting und Sextor­ti­on und Cyber-Grooming

Jugend­li­che zuneh­mend von sexu­el­ler Beläs­ti­gung im Inter­net betrof­fen. Sozia­le Netz­wer­ke, Mes­sen­ger­diens­te und Online­spie­le Orte der Über­grif­fe. Initia­ti­ve Safer­inter­net prä­sen­tiert neue Studie.

Jugend­li­che sind im Inter­net regel­mä­ßig mit sexu­el­ler Beläs­ti­gung kon­fron­tiert. Anzüg­li­che Kom­men­ta­re, inti­me Fra­gen oder die Auf­for­de­rung, Nackt­bil­der zu schi­cken : 38 Pro­zent der Jugend­li­chen waren bereits zumin­dest ein­mal mit sexu­el­ler Beläs­ti­gung im Inter­net kon­fron­tiert. Erschre­cken­de zehn Pro­zent geben an, oft betrof­fen zu sein. Sogar bei den 11- bis 14-Jäh­ri­gen sind bereits mehr als ein Vier­tel (28 Pro­zent) betrof­fen. Bei der älte­ren Alters­grup­pe, den 15- bis 17-Jäh­ri­gen, sind es schon 51 Prozent. 

Hälf­te der weib­li­chen Jugend­li­chen und rund ein Vier­tel der männ­li­chen Jugendlichen
Wäh­rend mehr als die Hälf­te der weib­li­chen Jugend­li­chen sol­che Erfah­run­gen gemacht hat, ist rund ein Vier­tel der männ­li­chen Jugend­li­chen davon betrof­fen. Etwa die Hälf­te aller Befrag­ten geht davon aus, dass bereits Kin­der im Volks­schul­al­ter online von sexu­el­ler Beläs­ti­gung betrof­fen sind. In ers­ter Linie fin­den die Über­grif­fe in sozia­len Netz­wer­ken statt, gefolgt von Mes­sen­gern und Online­spie­len. Beun­ru­hi­gend ist, dass knapp ein Drit­tel der Befrag­ten sexu­el­le Beläs­ti­gung im Inter­net als nor­mal beur­teilt. Vie­le der befrag­ten Jugend­li­chen bezeich­nen sol­che Erfah­run­gen als „Teil der digi­ta­len Lebenswelt“. 

Das Öster­rei­chi­sche Insti­tut für ange­wand­te Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on (ÖIAT), die Inter­net Ser­vice Pro­vi­ders Aus­tria (ISPA) und Rat auf Draht prä­sen­tier­ten kürz­lich im Rah­men der EU-Initia­ti­ve Safer­inter­net eine Erhe­bung über sexu­el­le Beläs­ti­gung im Inter­net. 405 öster­rei­chi­sche Kin­der und Jugend­li­che im Alter von 11 bis 17 Jah­ren wur­den dafür befragt.

Viel Unsi­cher­heit bei Jugend­li­chen zu The­men Sex­ting und Nacktbilder
Der Aus­tausch von Nackt­bil­den kann für Jugend­li­che Teil ihrer selbst­be­stimm­ten Sexua­li­tät sein. Dies pas­siert jedoch nicht immer frei­wil­lig oder ein­ver­nehm­lich. 42 Pro­zent der Befrag­ten haben in ihrem Umfeld bereits wahr­ge­nom­men, dass Nackt­fo­tos ohne Zustim­mung wei­ter­ge­schickt oder ver­öf­fent­licht wur­den. Fünf Pro­zent geben an, davon selbst betrof­fen zu sein. Auf Nach­fra­ge sind sich vie­le Betrof­fe­ne unsi­cher, ob die Ent­schei­dung tat­säch­lich frei­wil­lig war. Eini­ge sagen sogar, dass sie die Auf­nah­men nicht frei­wil­lig ver­schickt haben. 

„Die­ses Ergeb­nis ver­deut­licht, dass es vie­len Kin­dern und Jugend­li­chen schwer­fällt, ihre per­sön­li­chen Gren­zen auf­zu­zei­gen und Nein zu sagen“, erklärt Bar­ba­ra Bucheg­ger, Päd­ago­gi­sche Lei­te­rin von Safer­inter­net. Sechs Pro­zent der Befrag­ten geben an, schon ein­mal heim­lich in einer inti­men Situa­ti­on gefilmt wor­den zu sein. 65 Pro­zent sind der Mei­nung, dass Kin­der und Jugend­li­che häu­fig mit Nackt­bil­dern erpresst wer­den, die soge­nann­te Sextortion. 

Betrof­fe­ne wer­den immer jünger
„Beson­ders vie­le Bera­tungs­an­fra­gen kom­men von Sextor­ti­on-Opfern, ins­be­son­de­re von männ­li­chen Kin­dern und Jugend­li­chen. Auch wer­den die­se immer häu­fi­ger mit KI-gene­rier­ten Inhal­ten erpresst. Auf­fal­lend ist, dass die Betrof­fe­nen immer jün­ger wer­den“, berich­tet Bir­git Sat­ke, Lei­te­rin von Rat auf Draht. Wenn Nackt­fo­tos ohne Zustim­mung der Abge­bil­de­ten wei­ter­ge­lei­tet wer­den, kann das gra­vie­ren­de Fol­gen nach sich ziehen. 

„In vie­len Fäl­len wer­den die Betrof­fe­nen stig­ma­ti­siert, gemobbt und sehen einen Schul­wech­sel oft als letz­ten Aus­weg, wie die Leid­tra­gen­den selbst berich­ten“, ver­deut­licht Sat­ke. Den­noch ist die Hälf­te der Kin­der und Jugend­li­chen der Mei­nung, dass Per­so­nen, die Nackt­fo­tos von sich ver­schi­cken, selbst schuld sind, wenn die­se dann wei­ter­ver­brei­tet werden. 

Neue Bro­schü­re klärt über straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen auf
„Jugend­li­chen ist kaum bewusst, dass eine Ver­brei­tung von Nackt­bil­dern ohne Zustim­mung straf­recht­lich rele­vant sein kann“, betont Ste­fan Eben­ber­ger, Gene­ral­se­kre­tär der ISPA. „Es fehlt oft das Wis­sen dar­über.“ Die neue Bro­schü­re „Jugend­li­che und Sexua­li­tät im Inter­net“ von Saferinternet.at klärt über straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen auf und bie­tet Infor­ma­tio­nen für Betrof­fe­ne sowie prä­ven­ti­ve Maßnahmen. 

Auf unan­ge­neh­me sexu­el­le Fra­gen reagie­ren fast zwei Drit­tel der Befrag­ten, indem sie die­se igno­rie­ren, wäh­rend 57 Pro­zent die Per­so­nen blo­ckie­ren. 39 Pro­zent geben an, Per­so­nen, die ihnen sol­che Fra­gen stel­len, auch an die jewei­li­gen Platt­for­men zu mel­den. Jugend­li­che emp­fin­den die­ses Vor­ge­hen aber als wenig ziel­füh­rend, es gibt wenig Ver­trau­en in das Mel­de­ver­fah­ren. Im Kon­text mit der EU-Ver­ord­nung Digi­tal Ser­vices Act gehen die Platt­for­men dann gegen sexu­el­le Beläs­ti­gung vor. 

Ver­ant­wor­tung von Eltern und Schule
Wie not­wen­dig umfas­sen­de Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men sind, wird eben­so durch die Stu­die unter­mau­ert. Safer­inter­net unter­stützt etwa mit Prä­ven­ti­ons­work­shops und zahl­rei­chen Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en. Rat auf Draht bie­tet kos­ten­lo­se Bera­tung auf der gleich­na­mi­gen Inter­net-Platt­form und unter der Not­ruf­num­mer 147 an. „Es ist essen­zi­ell, dass Jugend­li­che ler­nen, Gefah­ren früh­zei­tig zu erken­nen und sich zu schüt­zen. Gleich­zei­tig müs­sen wir Erwach­se­ne als Ansprech­per­so­nen stär­ken“, betont Bar­ba­ra Buchegger. 

Nur zehn Pro­zent der Befrag­ten reden mit jeman­dem über ihre Erfah­run­gen. „Für Eltern bedeu­tet das zunächst, anzu­er­ken­nen, dass Sexua­li­tät auch im Inter­net ein Teil des Lebens von Jugend­li­chen ist. Sie sind gefor­dert, ihre Kin­der ernst zu neh­men und ihr Selbst­ver­trau­en zu stär­ken, damit die­se nicht aus­schließ­lich auf Aner­ken­nung aus dem Netz ange­wie­sen sind“, so Bucheg­ger weiter. 

red/czaak
14.02.2025

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