Zum Inhalt
© Pexels.com/stan

Kli­ma­schutz ver­sus Kosteneffektivität

Gro­ße Emis­si­ons­re­duk­ti­on nötig für Kli­ma­zie­le 2030. Fis­kal­rat for­dert Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­se im Natio­na­len Ener­gie- und Kli­ma­plan mit Fokus auf Rela­tio­nen Gebäu­de­be­reich und Verkehrsmaßnahmen.

Das Büro des Fis­kal­ra­tes hat die staat­li­chen Kli­ma­schutz­maß­nah­men hin­sicht­lich ihrer Kos­ten­ef­fek­ti­vi­tät eva­lu­iert, indem die Kos­ten der Maß­nah­men ihrem Poten­zi­al zur Ver­mei­dung von Treib­haus­ga­sen gegen­über­ge­stellt wur­den. Im Ergeb­nis wird Kri­tik geübt, etwa, dass die aktu­el­le kli­ma­po­li­ti­sche Stra­te­gie Öster­reichs dem
Ziel der Kos­ten­ef­fek­ti­vi­tät kli­ma­po­li­ti­scher Maß­nah­men nur eine gerin­ge Bedeu­tung zukom­men lässt. 

Geplan­te Umset­zung der Emis­si­ons­zie­le führt zu hoher Budgetbelastung
Oder : Teu­re Maß­nah­men wie das Kli­ma­ti­cket wer­den umge­setzt, kos­ten­ef­fek­ti­ve regu­la­to­ri­sche Maß­nah­men wie die Reduk­ti­on des Tem­po­li­mits auf Öster­reichs Stra­ßen blei­ben hin­ge­gen unberücksichtigt. 

Und : Durch die stär­ke­re Nut­zung von regu­la­to­ri­schen Maß­nah­men und Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gnen könn­te die Rück­füh­rung der CO2-Emis­sio­nen bei gerin­ge­ren gesamt­wirt­schaft­li­chen und bud­ge­tä­ren Kos­ten erreicht wer­den, so ein wei­te­rer Ansatzpunkt.

Öster­reich ist ver­pflich­tet, bis 2030 sei­ne Treib­haus­gas­emis­sio­nen außer­halb des EU-Emis­si­ons­han­dels­sys­tems gegen­über 2005 um 48 Pro­zent zu redu­zie­ren. Trotz Über­erfül­lung des Ziel­pfads in den letz­ten drei Jah­ren müs­sen bis 2030 noch über 13 Mio Ton­nen CO2-Äqui­va­len­te pro Jahr oder 24 Pro­zent der Emis­sio­nen des Jah­res 2005 ein­ge­spart wer­den, was gro­ße zusätz­li­che Anstren­gun­gen not­wen­dig macht. Seit 2019 umge­setz­te Kli­ma­schutz­maß­nah­men belas­ten das gegen­wär­ti­ge jähr­li­che Bud­get mit knapp fünf Mrd. Euro.

Bud­ge­tär güns­ti­ge Kli­ma­schutz­maß­nah­men schei­tern an poli­ti­scher Umsetzbarkeit
Kli­ma­po­li­ti­sche Maß­nah­men haben neben ihrer Wir­kung auf das Kli­ma umfas­sen­de bud­ge­tä­re Effek­te und wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen für Unter­neh­men und Haus­hal­te. Regu­la­to­ri­sche Maß­nah­men sind meist mit gerin­gen bud­ge­tä­ren Belas­tun­gen ver­bun­den. Sie sind aber gleich­zei­tig unpo­pu­lär und fin­den daher poli­tisch schwer Umset­zung. Das Erneu­er­ba­ren-Wär­me-Gesetz (in sei­ner ursprüng­li­chen Fas­sung mit einem ver­pflich­ten­den Aus­stieg aus fos­si­len Heiz­sys­te­men) oder die Reduk­ti­on von Tem­po­li­mits auf Öster­reichs Stra­ßen sind ent­spre­chen­de Beispiele. 

Aus bud­ge­tä­rer Sicht gilt es, bei der Wahl des opti­ma­len kli­ma­po­li­ti­schen Maß­nah­men­bün­dels eine Kos­ten-Nut­zen-Betrach­tung der Ein­zel­maß­nah­men in den Mit­tel­punkt zu stel­len. Gera­de in der der­zei­ti­gen Bud­get­si­tua­ti­on mit hohen Bud­get­de­fi­zi­ten habe der Fokus auf Kos­ten­ef­fek­ti­vi­tät von Kli­ma­po­li­tik eine beson­de­re Bedeu­tung, so der Fiskalrat.

Kos­ten-Nut­zen-Über­le­gun­gen spie­len bei Aus­wahl kli­ma­po­li­ti­scher Maß­nah­men unter­ge­ord­ne­te Rolle
Der Natio­na­le Ener­gie- und Kli­ma­plan (NEKP) beschreibt die in Öster­reich geplan­ten Maß­nah­men zur Errei­chung der EU-Kli­ma­zie­le. Die Aus­wahl die­ser Maß­nah­men ist das Ergeb­nis poli­ti­scher Ver­hand­lun­gen. Kos­ten-Nut­zen-Über­le­gun­gen spie­len nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Dies zeigt sich etwa dar­an, dass die gesamt­wirt­schaft­li­chen bzw. bud­ge­tä­ren Kos­ten der ein­zel­nen Kli­ma­schutz­maß­nah­men nicht ange­führt wer­den, so der Fis­kal­rat wei­ter. Detail­in­for­ma­tio­nen zu Kos­ten und Nut­zen der Sanie­rungs­of­fen­si­ve bei Gebäu­den wur­den in einer Koope­ra­ti­on mit dem Umwelt­bun­des­amt erhoben. 

Im Fall des Heiz­kes­sel­tau­sches über­stei­gen die ent­ste­hen­den Ener­gie­ein­spa­run­gen über die Lebens­dau­er der neu­en Heiz­kes­sel die Inves­ti­ti­ons­kos­ten für nahe­zu alle Gebäu­de­ty­pen und Heiz­sys­te­me. Damit gäbe es hohe Anrei­ze zum Hei­zungs­tausch, auch ohne För­de­run­gen. Gesetz­li­che Ände­run­gen für die Sanie­rung von Gebäu­den mit Miet­woh­nun­gen und Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gnen zur Ver­mitt­lung der Kos­ten­ein­spa­run­gen könn­ten hier alter­na­tiv und bud­get­scho­nend genutzt wer­den. Auch För­de­run­gen zur Sanie­rung der Gebäu­de­hül­le schei­nen sinn­voll und wür­den Vor­tei­le aus der Anpas­sung der Heiz­sys­te­me noch verstärken.

Teu­re Maß­nah­men im Ver­kehrs­be­reich bewir­ken nur gerin­ge Emissionseinsparung
Ein wei­te­res The­ma ist der Ver­kehr. Die Abschät­zung des Fis­kal­rats zeigt bei allen betrach­te­ten NEKP-Maß­nah­men im Ver­kehrs­be­reich eine gerin­ge­re Kos­ten­ef­fek­ti­vi­tät als bei Maß­nah­men im Gebäu­de­be­reich. Der Aus­bau der Schie­nen­in­fra­struk­tur führt zu hohen Kos­ten und bewirkt für sich genom­men nur gerin­ge Emis­si­ons­ein­spa­run­gen. Eine aus­schließ­lich emis­si­ons­ori­en­tier­te Betrach­tung des Aus­baus der Schie­nen­in­fra­struk­tur wäre aber nicht sinn­voll, da die Ver­bes­se­rung der Infra­struk­tur näm­lich auch ande­ren wirt­schafts­po­li­ti­schen Zie­len dient, die mit­ge­dacht wer­den müssen. 

Im Fall des Kli­ma­ti­ckets ste­hen hohe bud­ge­tä­re Kos­ten (2024 : 540 Mio Euro) gerin­gen Emis­si­ons­ein­spa­run­gen von ledig­lich 0,2 Mio Ton­nen CO2 pro Jahr gegen­über, so die Exper­ten des Fis­kal­rats. Damit zählt das Kli­ma­ti­cket zu den Maß­nah­men mit der gerings­ten Kos­ten­ef­fek­ti­vi­tät. Die Maß­nah­me müss­te daher durch ande­re umwelt­po­li­ti­sche oder gesell­schafts­po­li­ti­sche Zie­le gerecht­fer­tigt werden.

red/czaak
25.02.2025

Weitere aktuelle Artikel

Leich­te Ent­span­nung bei Fir­men­plei­ten in Nie­der­ös­ter­reich, so eine Ana­ly­se des Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Wirt­schafts­pres­se­diens­tes auf Basis der aktu­el­len Hoch­rech­nun­gen des KSV 1870 für ganz Österreich. In Nie­der­ös­ter­reich gab es im ers­ten Halb­jahr 2025 bei der Ent­wick­lung der Fir­men­plei­ten eine leich­te Ent­span­nung. Laut einer Ana­ly­se des NÖ-Wirt­schafts­pres­se­dienst mit den Wer­ten aus der aktu­el­len gesamt­ös­ter­rei­chi­schen Hoch­rech­nung des Kre­dit­schutz­ver­ban­des KSV1870, sind […]
Neue Initia­ti­ve stärkt Kul­tur der Bar­geld­zah­lung und för­dert fai­re Pra­xis beim Trink­geld. Unter­neh­men Geld­ser­vice Aus­tria star­tet den welt­weit ers­ten Fan­shop für Bargeld. Mit­ten in der aktu­el­len Debat­te zum Trink­geld in der Gas­tro­no­mie bekräf­tigt die GSA (Geld­ser­vice Aus­tria) die Bedeu­tung von Bar­geld und setzt zudem ein Zei­chen für eine geleb­te Trink­geld­kul­tur in Öster­reich. Heimo Ertl, Geschäfts­füh­rer […]
Zahl der Fir­men­plei­ten wei­ter­hin auf sehr hohem Niveau. Ent­wick­lung bleibt aller Vor­aus­sicht nach bis Jah­res­en­de, so aktu­el­le Erhe­bung der Kre­dit­schüt­zer vom KSV1870. Laut aktu­el­ler KSV1870 Hoch­rech­nung muss­ten im ers­ten Halb­jahr 2025 in Öster­reich 3.500 Unter­neh­men (+ sechs Pro­zent) Insol­venz anmel­den. Das ent­spricht durch­schnitt­lich 19 Fir­men­plei­ten pro Tag. Der Han­del, die Bau­wirt­schaft und der Sek­tor Gastronomie/​Beherbergung ver­zeich­nen […]
Öster­reichs wohl­ha­ben­de Fami­li­en legen Geld fokus­siert an und errei­chen 2024 Rekord­ni­veau bei Deals mit sozia­lem und öko­lo­gi­schem Nut­zen. In Sum­me Invest­ments über fünf Mrd. Euro mit Schwer­punk­ten Start-Ups und Immo­bi­li­en, so aktu­el­le PwC-Studie. Die wohl­ha­bends­ten Fami­li­en in Öster­reich inves­tie­ren ihr Kapi­tal zuneh­mend geziel­ter : Statt vie­ler klei­ner Betei­li­gun­gen fließt es ver­mehrt in weni­ge, exakt aus­ge­wähl­te Groß­in­vest­ments, […]
Kon­so­li­die­rungs­pa­ket der neu­en Öster­rei­chi­schen Regie­rung redu­ziert Finan­zie­rungs­lü­cke und ist als ers­ter Schritt zu begrü­ßen. Bud­get­dy­na­mik bleibt jedoch und so braucht es rasch wei­te­re Kon­so­li­die­rungs­schrit­te, so der Öster­rei­chi­sche Fiskalrat. Die neue Öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung hat im Kon­text mit dem zu hohen Bud­get­de­fi­zit eine Rei­he an Maß­nah­men ein­ge­lei­tet. Der Öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat begrüßt nun die­se Maß­nah­men, warnt aber gleich­zei­tig […]
magnifier linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram