Zum Inhalt
© Pexels.com/cottonbro

Apps zur Kin­der­si­che­rung kön­nen Pri­vat­sphä­re gefährden 

Eltern ver­wen­den oft­mals Apps um Sicher­heit und Pri­vat­sphä­re ihrer Kin­der zu schüt­zen. Eini­ge Ange­bo­te könn­ten nun das genaue Gegen­teil bewir­ken, so eine aktu­el­le Erhe­bung von Uni­ver­si­ty Col­lege Lon­don (UCL) und FH St. Pölten. 

Bis zu 80 Pro­zent der Eltern ver­wen­den Apps, um die Sicher­heit und Pri­vat­sphä­re ihrer Kin­der zu schüt­zen. Die Apps bie­ten ver­schie­de­ne Funk­tio­nen und das reicht von der Beschrän­kung der Online-Zeit der Kin­der und der Inhal­te, die sie sehen kön­nen, bis hin zur Akti­vi­täts­über­wa­chung und Stand­ort­ver­fol­gung. Eine Stu­die hat nun „offi­zi­el­le“ Apps zur Kin­der­si­che­rung, die im Goog­le Play Store ver­füg­bar sind, mit „sidel­oa­ded“ oder „inof­fi­zi­el­len“ Apps zur Kin­der­si­che­rung ver­gli­chen, die aus ande­ren Quel­len erhält­lich sind. 

Heim­li­ches Ausspionieren
In Sum­me wur­den 20 sidel­oa­ded Apps zur Kin­der­si­che­rung mit 20 aus dem Goog­le Play Store ver­gli­chen und dabei Daten­schutz­richt­li­ni­en, Android-Packa­ge-Kit-Datei­en (die zum Ver­tei­len und Instal­lie­ren von Android-Apps ver­wen­det wer­den), Anwen­dungs­ver­hal­ten, Netz­werk­ver­kehr und Funk­tio­nen unter­sucht, so die an der Stu­die betei­lig­te FH St. Pölten.

Das Team stell­te fest, dass sidel­oa­ded Apps ihre Prä­senz vor den Tele­fon­be­nut­zern eher ver­ber­gen – eine Vor­ge­hens­wei­se, die bei offi­zi­el­len Store-Apps ver­bo­ten ist. Sie erfor­der­ten auch über­mä­ßi­ge Berech­ti­gun­gen. Das sind Regeln, die fest­le­gen, wor­auf Apps auf dem Tele­fon zugrei­fen kön­nen, dar­un­ter „gefähr­li­che“ Berech­ti­gun­gen wie den jeder­zei­ti­gen Zugriff auf per­sön­li­che Daten, wie zum Bei­spiel den genau­en Stand­ort. Dar­über hin­aus über­tru­gen drei sidel­oa­ded Apps ver­trau­li­che Daten unver­schlüs­selt, die Hälf­te hat­te kei­ne Daten­schutz­richt­li­nie und acht von 20 Apps wur­den als poten­zi­el­le Stal­ker­wa­re iden­ti­fi­ziert, so wei­te­re Ergebnisse.

Schma­ler Steig zwi­schen Schutz und Überwachung
„Apps zur Kin­der­si­che­rung sind ein belieb­tes Mit­tel, um die Sicher­heit von Kin­dern online und per­sön­lich zu gewähr­leis­ten, und kön­nen nütz­li­che Werk­zeu­ge für Eltern sein, um die Gefah­ren zu meis­tern, denen Kin­der in der heu­ti­gen Welt aus­ge­setzt sind. Aber die Ergeb­nis­se unse­rer Stu­die zei­gen, dass vie­le sidel­oa­ded Apps ernst­haf­te Pro­ble­me in Bezug auf Daten­schutz, Zustim­mung und sogar Sicher­heit haben“, sagt Leo­nie Tanc­zer, lei­ten­de Autorin der Stu­die von der UCL.

„Wenn eine App bei­spiels­wei­se ver­sucht, ihre Prä­senz auf dem Gerät zu ver­ber­gen, ist das nichts ande­res als Stal­ker­wa­re. Sobald man beginnt, die Sicher­heits­vor­keh­run­gen zu ent­fer­nen, die offi­zi­el­le Store-Apps haben müs­sen, ist es ein schma­ler Grat zwi­schen legi­ti­mer Nut­zung und unethi­scher Über­wa­chung oder in extre­men Fäl­len häus­li­cher Gewalt“, erläu­tert Tanczer.

Heim­li­che Screen­shots und Abhö­ren von Anrufen
Die Forscher*innen beob­ach­te­ten aber noch ande­re besorg­nis­er­re­gen­de Ver­hal­tens­wei­sen von sidel­oa­ded Apps zur Kin­der­si­che­rung, die ihrer Mei­nung nach für Apps, die als Kin­der­si­cher­heits­tools ver­mark­tet wer­den, unge­eig­net sind. Bei­spiels­wei­se ent­hiel­ten die Apps Funk­tio­nen zum Abfan­gen von Nach­rich­ten von Dating-Apps wie Tinder.

Vie­le sidel­oa­ded Apps ent­hiel­ten auch die Mög­lich­keit, Screen­shots aus der Fer­ne zu machen, Anruf­pro­to­kol­le anzu­zei­gen, Nach­rich­ten zu lesen und sogar Anru­fe abzu­hö­ren. Eine wei­te­re Erkennt­nis war, dass Ent­wick­ler auf­grund einer Gegen­re­ak­ti­on auf Apps, die bei­spiels­wei­se zum Erwi­schen untreu­er Ehe­part­nern ver­mark­tet wer­den, statt­des­sen dazu über­ge­gan­gen sind, Apps als Tools zur Kin­der­si­che­rung zu vermarkten.

Feh­len­de Ein­wil­li­gung der Kinder
„Das Haupt­pro­blem bei der umfang­rei­chen Funk­tio­na­li­tät die­ser inof­fi­zi­el­len Apps ist die Ein­wil­li­gung. Wenn Eltern eine offe­ne, trans­pa­ren­te Bezie­hung zu ihrem Kind haben, soll­ten sie die­se Apps nicht auf dem Tele­fon ihres Kin­des ver­ste­cken oder auf so vie­le pri­va­te Infor­ma­tio­nen zugrei­fen müs­sen“, sagt Eva-Maria Mai­er, Erst­au­torin der Stu­die, vom Stu­di­en­gang IT Secu­ri­ty an der FH St. Pöl­ten. Mai­er wei­ter : „Das wirft ernst­haf­te Fra­gen dar­über auf, ob Kin­der wis­sen, wie sie ver­folgt wer­den und wie sich dies auf ihre Pri­vat­sphä­re und Rech­te aus­wirkt. Auch wenn Eltern glau­ben, dass ihnen das Wohl ihres Kin­des am Her­zen liegt, birgt das Sam­meln so vie­ler per­sön­li­cher Infor­ma­tio­nen Risi­ken, da es häu­fig zu Mas­sen­da­ten­lecks kommt.“

Es gibt aber noch ande­re Risi­ken. Im Jahr 2015 wur­de der Ent­wick­ler der mSpy-App gehackt und zehn­tau­sen­de Kun­den­da­ten­sät­ze wur­den online gele­akt, dar­un­ter auch die per­sön­li­chen Daten von Kin­dern. Im Jahr 2024 wur­den Kun­den­dienst­un­ter­la­gen von mSpy online gele­akt, was Auf­schluss dar­über gab, wie Kun­den die Apps nutz­ten, dar­un­ter das Aus­spio­nie­ren von Part­nern, die des Fremd­ge­hens ver­däch­tigt wur­den. mSpy ist eine sidel­oa­ded App und wird der­zeit als Über­wa­chungs­soft­ware für Eltern vermarktet.

Die Rech­te von Kindern
„Die Rech­te von Kin­dern sind von Land zu Land unter­schied­lich, aber in der Euro­päi­schen Uni­on müs­sen Kin­der unter 16 Jah­ren nicht ihre Zustim­mung geben, wenn ein Eltern­teil eine Kin­der­si­che­rungs-App auf ihrem Gerät instal­liert. Obwohl Kin­der über 16 Jah­ren ihre Zustim­mung geben müs­sen, sind es in Wirk­lich­keit oft die Eltern, die Gerä­te und Apps kau­fen und ein­rich­ten. Daher ver­mu­te ich, dass die Zustim­mung nicht immer erteilt wird“, erklärt Lukas Dani­el Klaus­ner, For­scher am Insti­tut für IT-Sicher­heits­for­schung der FH St. Pölten.

„Die­se Situa­ti­on bedeu­tet auch, dass Kin­der häu­fig kei­nen Zugriff auf ihre von Über­wa­chungs-Apps gesam­mel­ten Daten und kei­ne Auto­no­mie dar­über haben. Die­se Apps und vie­le Aspek­te der Online-Kul­tur sind rela­tiv neu – es sind kei­ne Pro­ble­me, mit denen sich Eltern vor einer Gene­ra­ti­on her­um­schla­gen muss­ten. Ich den­ke, es besteht drin­gen­der Bedarf an einer öffent­li­chen Dis­kus­si­on über die Ver­füg­bar­keit die­ser Apps, wie sie ver­wen­det wer­den und wie sie aus ethi­scher Sicht ver­wen­det wer­den soll­ten“, betont Klaus­ner von der FH St. Pölten. 

red/czaak
17.03.2025

Weitere aktuelle Artikel

Ver­lag und Redak­ti­on von eco­no­my wün­schen allen Lesern und Wer­be­kun­den einen epo­cha­len Som­mer – auch wenn die letzt­jäh­ri­ge US-Tour der Rol­ling Stones doch nicht in Euro­pa fort­ge­setzt wird. Wie gewohnt zu die­sem Zeit­punkt : Auf ein paar ruhi­ge­re Tage als Unter­neh­mer oder ein paar beschau­li­che Wochen als Arbeit­neh­mer. Bei­des, die Wochen und Tage, in sinn­reich posi­tiv emo­tio­nal erfül­len­der Umge­bung […]
Unter­neh­men Roots Ener­gy ent­wi­ckelt modu­la­res Bau­kas­ten­sys­tem für erneu­er­ba­re Ener­gie­lö­sun­gen in bestehen­den Gebäu­den. Erst­mals schritt­wei­se Umrüs­tung zu deut­lich redu­zier­ten Kos­ten mög­lich. Emp­feh­lung von Kli­ma­fonds und Stadt Wien als Vorzeigeprojekt In Wien wur­de ges­tern ein neu­er Mei­len­stein für die Umrüs­tung auf erneu­er­ba­re Ener­gie­for­men in bestehen­den Gebäu­den eta­bliert : Das Wie­ner Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men Roots Ener­gy hat mit sei­nem „Roots Haus“ […]
Ener­gie­ge­mein­schaf­ten erzeu­gen und nut­zen gemein­sam Ener­gie mit Fokus auf erneu­er­ba­re Ener­gie­for­men. CAN­COM Aus­tria schafft eige­ne Ener­gy-Com­mu­ni­ty-Platt­form für Ver­net­zung und Ver­wal­tung für teil­neh­men­de Kom­mu­nen, Unter­neh­men und Privatpersonen. Ener­gie­ge­mein­schaf­ten sind für Kom­mu­nen, Unter­neh­men und Pri­vat­per­so­nen ein inno­va­ti­ves Kon­zept zur nach­hal­ti­gen Umset­zung der Ener­gie­wen­de. Die gemein­sa­me, auch lokal-regio­na­le Pro­duk­ti­on, Nut­zung und Tei­lung von erneu­er­ba­ren Ener­gie­for­men ist öko­no­misch und dazu […]
Häu­figs­ter Grund für Pri­vat­kon­kurs war Über­schät­zung der eige­nen finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten und schlech­tes Kon­sum­ver­hal­ten, so der KSV 1870 in sei­ner Ana­ly­se für 2024. Gene­rell belas­tet die Öster­rei­cher das wei­ter­hin hohe Kostenniveau. Bei über einem Drit­tel der Pri­vat­kon­kur­se ist „per­sön­li­ches Ver­schul­den“ und hier vor allem die Über­schät­zung der eige­nen Leis­tungs­kraft und ein schlech­tes Kon­sum­ver­hal­ten die häu­figs­te Ursa­che. Die […]
Mit 1.250 Euro je Qua­drat­me­ter über­holt Wohn­park Fon­ta­na die Stadt Perch­tolds­dorf als bis­he­ri­ge Num­mer bei Grund­stücks­prei­sen. Am ande­ren Ende der Ska­la für Nie­der­ös­ter­reich liegt Lud­weis-Aigen im Bezirk Waidhofen/​Thaya mit 4 Euro. Gene­rell stei­gen die Preise. Das Wirt­schafts­ma­ga­zin Gewinn hat sich öster­reich­weit die aktu­el­len Grund­stücks­prei­se ange­schaut und der Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schafts­pres­se­dienst spe­zi­ell die Situa­ti­on für Nie­der­ös­ter­reich. Dabei gab […]
magnifier linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram